Geschichte über Allgäu (Teil 3)

EIN EWIG RATSEL
Ein schlichtes Holzkreuz nahe dem Ufer markiert im Starnberger See (mekong kreuzfahrt) die Stelle, an der am 13. Juni 1886 das Leben König Ludwigs II. zu Ende ging. Unter welchen Umständen er und sein Arzt Dr. von Gudden umkamen, ist bis heute nicht geklärt. Doch erhält gerade auch der mysteriöse Tod des »Kini« seine Anziehungskraft weit über Bayern hinaus.
Ludwig ließ wunderschöne Schlösser bauen, die heute zu den größten Attraktionen Bayerns zählen und einen ganzen Wirtschaftszweig unterhalten. Er war schön wie der sprichwörtliche Märchenprinz. Aber: Er war schon mit knapp vierzig dick und aufgeschwemmt, litt fürchterlich unter verfaulenden Zähnen, saß einsam in seinen Schlössern und jagte nächtens im elektrisch beleuchteten Schlitten durch verschneite Wälder.

Allgäu im Sommer
Nein, märchenhaft war sein Leben nicht, und dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Just am Geburtstag des Großvaters König Ludwig I., am 25. August 1845, kam der lang ersehnte Thronerbe im Schloss Nymphenburg zur Welt. Schon früh entwickelte der kleine Ludwig eine lebhafte Fantasie, ließ sich gerne Geschichten erzählen oder erfand welche, freute sich am Theaterspielen und konstruierte mit seinen Bauklötzen kunstvolle Gebäude. Besonders angetan hatten es ihm die prachtvollen Sagengemälde auf Schloss Hohenschwangau, wo er und sein Bruder Otto (der später geisteskrank wurde) den größten Teil der Kindheit verbrachten. Stundenlang saß er in seinem Zimmer und flüchtete vor der strengen Erziehung in die Welt seines Lieblingsheldcn, des Schwanenritters Lohengrin. Denn weder zu seinem Vater noch zu seiner Mutter hatte er ein gutes Verhältnis – vermutlich begann damals schon sein innerer Rückzug.

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Schöner junger König
Gut 18 Jahre alt war Ludwig erst, als er die Nachfolge seines Vaters an- treten musste. Ein strahlend schöner junger Mann mit dunklen Locken und tiefblauen Augen, der mit seinen Einsneunzig alle überragte, schritt hinter dem Sarg einher. Hingerissen jubelte ihm das Volk zu, voll Eifer stürzte er sich in die Regierungsarbeit. Doch wohl nur er selbst kannte seine Angst und Unerfahrenheit; bald schon langweilte ihn alles, widerten ihn die Staatsgeschäfte an, die mehr einem Königspielen denn einem echten Regieren glichen. Eine der wichtigsten Ursachen für diesen Rückzug mag der Krieg von 1866 gewesen sein, zu dem man den König zwingen musste. Das Ergebnis war ein Bündnis mit Preußen, wonach im Kriegsfall der preußische König Oberbefehlshaber der bayerischen Truppen wurde – für Ludwig eine Verletzung seiner Souveränität, die nur vier Jahre später im Deutsch-Französischen Krieg vollendet wurde.
Der Rückzug
Aus der Welt, in der er nicht mehr König sein konnte, zog er sich zurück in eine andere: Kein König der Kriege, ein König der Kunst wollte er sein. Er begann mit dem geradezu hektischen Bau von Schlössern, so dass innerhalb weniger Jahre wahre Architekturwunder entstanden: Neu-Hohenschwan- gau (Neuschwanstein) als Gralsburg aus Wagners »Lohengrin«, Herrenchiemsee und – als einziger Bau zu seinen Lebzeiten vollendet – Linderhof mit der berühmten Grotte und dem See mit Wellenmaschine, auf dem sich der König nachts in einem Muschelkahn herumrudern ließ. Lange hat man in den Schlössern großartige Leistungen des Kunsthandwerks gesehen und Ludwig als Förderer und Auftraggeber, in zwischen weiß man aber, dass er bei fast allen Arbeiten selbst am Werk war. Ein anderes bleibendes Verdienst des
Königs ist die zwanzig Jahre dauernde Protektion Richard Wagners. Als Fünfzehnjähriger hatte Ludwig in München tief ergriffen den »Lohengrin« erlebt und war in grenzenlose Schwärmerei für den Komponisten verfallen. Schon einige Monate nach Regierungsantritt schickte er seinen Staatssekretär Pfistermeyer aus, den Meis¬ter, in den er regelrecht verliebt war, nach München zu holen. Ludwig überschüttete den »erhabenen, göttlichen Freund« mit Gunst und Geld, doch die Minister teilten die königliche Begeisterung mitnichten, zumal sich Wagner auch in politische Angelegenheiten einmischte. Für Ludwig brach dann eine Welt zusammen, als er feststellen musste, dass Wagners angebliche Arbeitsbeziehung zu Cosi- ma von Bülow eindeutig erotischer Art war. Tief enttäuscht von diesem Verrat zog er sich von Wagners Person zurück, hielt aber seiner Musik die Treue und half ihm auch finanziell. Die Schwärmerei für Wagners Musik war es auch zunächst, die Ludwig mit Herzogin Sophie in Bayern zusammenführte. Doch die am 22. Januar 1867 geschlossene Verlobung währte nicht lange, denn bald wurde Ludwig klar, dass es mit seiner Frau über die Musikbegeisterung hinaus keine tieferen Gemeinsamkeiten gab. Als die Entlobung bekanntgegeben wurde, war zwar die Verwandtschaft verstimmt und das Volk enttäuscht, der König aber atmete auf.
Es gab nur eine Frau in seinem Leben, der er tief verbunden war: Sophies ältere Schwester Elisabeth, spätere Kaiserin von Österreich, die berühmte Sisi. Beider Verhältnis war kein erotisches; Ludwigs Homosexualität war ein Tabu und stürzte ihn selbst in Konflikte. Die tiefe Verehrung, die er seiner acht Jahre älteren Cousine entgegenbrachte, lag in ihrer Wesensähnlichkeit. Auch Sisi war schön und exzentrisch, schwärmerisch und fantasievoll, litt wie er unter der Last der Krone. War Ludwig für den Zeitgeschmack zu weich oder gar zu weibisch geraten, galt Elisabeth als zu männlich und zu emanzipiert. Beide kamen mit den Konventionen ihrer Zeit und ihrer Stellung nicht zurecht und schufen sich ihre Refugien. Wann immer sie konnten, trafen sie sich auf der Roseninsel im Starnberger See oder schrieben sich Briefe, in denen sie sich »Adler« und »Taube« nannten.
In den letzten Jahren seiner Regierung wurde Ludwig immer mehr zum Einsiedler. Immer häufiger stürzte er sich in Affären mit Schauspielern und Reitknechten, lebte praktisch nur noch nachts, sah mehrmals in der Woche im gespenstisch leeren Münchener Residenztheater eigens für ihn gespielte Aufführungen. Immer manischer betrieb er den Schlösserbau, bis ihm schließlich der Landtag (vietnam kambodscha rundreise) weitere Gelder verweigerte.
Das Ende
In Absprache mit Ludwigs Onkel, dem Prinzen Luitpold, ließ Ministerpräsident Lutz den König entmün-digen und in Schloss Berg arretieren. Der weitere Fortgang ist bekannt: Ludwigs Drohung – »Und wenn ich nicht mehr bauen kann, will ich nicht mehr leben« – wurde innerhalb von Stunden bittere Wahrheit. Die Spekulationen über den 13. Juni 1886 reißen bis heute nicht ab. Für die letzten Stunden des Königs und den Spaziergang im Schlosspark gibt es keine Zeugen. War es Selbstmord? Hat Dr. von Gudden ihn zu retten versucht oder einen Fluchtversuch vereiteln wollen? War es ein politisch motivierter Mord? Diese Fragen sind immer noch offen, und so hat König Ludwig II. eines mit Sicherheit erreicht: »Ein ewig Rätsel will ich bleiben, mir und den anderen.«
Nachdem im Jahre 1818 bei der bayerischen Landvermessung auf über 50 Gipfeln Signalstangen gepflanzt worden waren, schlägt 1869 die Geburtsstunde des alpinen Tourismus im Allgäu: In diesem Jahr besteigt der junge Rechtspraktikant Hermann von Barth 44 Gipfel! Das Wegenetz, das dem Normalverbraucher schöne Bergerlebnisse ermöglicht, initiiert A. Spiehler, unterstützt vom 1869 gegründeten Deutschen Alpenverein. Zwischen 1875 (Waltenberger-Haus) und 1929 (Landsberger Hütte) werden die wichtigen Stützpunkte erbaut. Und 1897 bezwingen F. X. Euringer und M. Madlener auf Skiern den Stuiben, die ersten Wintersportler kommen 1905 nach Oberstdorf: Der Siegeszug des weißen Sports ist nicht mehr aufzuhalten. Für die Entwicklung geruhsamerer Urlaubsformen sorgte besonders der Geistliche Sebastian Kneipp ab 1855 in Wörishofen im Unterallgäu – mit seiner heute weltweit berühmten Kaltwasserkur.

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