Geschichte über Allgäu

Woher kamen die Menschen, die das bergige Land (vietnam kambodscha rundreise) urbar machten, und wer waren die »Freien im Allgäu«? Was hat es mit der »Vereinödung« auf sich, und warum ist das Allgäu heute auf Bayern und Baden-Württemberg aufgeteilt? Stationen auf dem Weg des Allgäus von einer wilden Bergregion zum prosperierenden Wirtschaftsstandort und Tourismusmagneten.
Vor- und Frühgeschichte
Gegen Ende der letzten Eiszeit, vor 15 000 bis 11000 Jahren, haben Steinzeit Menschen in Oberschwaben Pferde und Rentiere gejagt, wie bei Schussenried gefundene Spuren bezeugen. Etwa 11 500 Jahre alt sind die Steinwerkzeuge vom Weißenseeberg bei Füssen. An zahlreichen Plätzen fanden sich Werkzeuge und Siedlungsspuren aus der Mittelsteinzeit (um 8000 v. Chr.), so im Füssener Raum auf den Höhen um den damaligen Füssener See (heute Forggensee), im Raum Leut- kirch/Kißlegg und um Oberstdorf. Dort liegen einige Fundstellen über 1800 m hoch – Zeugnisse der »ersten Bergler«! In der Jungsteinzeit (3500 bis ca. 2000 v. Chr.) werden die Menschen als Bauern sesshaft. Siedlungen sind in klimatisch begünstigten, fruchtbaren Randzonen des Allgäus nachgewiesen, so am Bodensee und in Mittelschwaben; im höheren Alpenvorland lassen nur Einzelfunde auf die Anwesenheit des Menschen schließen.
ln der Bronzezeit (1800-1200 v. Chr.) dringt die Siedlungstätigkeit Bronze-und allmählich in gebirgsnahe Gegenden vor, wie auch viele Einzelfunde Eisenzeit von Geräten bis hinauf nach Einödsbach (1700 m) zeigen. Um 1200 v. Chr. lassen sich Illyrer aus der Ungarischen Tiefebene in Schwaben nieder, die die Technik der Eisenverarbeitung kennen. Den Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit (ab 8. Jh. v. Chr.) bringt jedoch erst die Hallstattkultur mit Neuerungen in Siedlung, Bestattung, Gebrauchsgeräten (Töpferscheibe) und Schmuckformen (Zierfibeln), die aus dem Mittelmeerraum übernommen werden. Um 600 v. Chr. hat sich im Allgäu die Verhüttung des heimischen Eisenerzes etabliert. Eine bedeutende Rolle spielt auch der Handel, insbesondere von Salz. Aus illyrischer Zeit stammen u. a. die Namen der Flüsse Iller und Argen sowie der Ortsnamen Foetibus, das mit Füssen identifiziert wird. Im 5. Jh. v. Chr. dringen von Westen die Kelten der Latenezeit ein, die ersten Bewohner des bayerischen Raums, die in antiken Quellen genannt werden. Sie bilden das beherrschende Bevölkerungselement der Gegend: Vindeliker im Alpenvorland bis zur Donau, Raeter im Alpenraum. Münzen, Bronzefibeln und Glas¬schmuck, die Reste von Befestigungen (u. a. auf dem Auerberg bei Marktoberdorf, auf der Schöllanger Burg, auf dem Menschenstein bei Weiler) zeugen von der hohen Kultur. Sprachliche Spuren haben sich in Namen wie Wertach, Lech, Inn und Kempten erhalten.
<- Vom Rathaus in Mindelheim grüßt Georg von Frundsberg, der »Vater der Landsknechte«

Allgaeu
Römische Zeit
Frühe und mitt- Unter dem römischen Kaiser Augustus beginnt 15 v. Chr. die Erobelere Kaiserzeiterung des Alpenraums. In diesem Jahr stoßen die Feldherrn Tiberius vom Bodensee her und Drusus über den Fernpass ins Allgäu vor. Dabei schlägt Tiberius die Brigantier in einer Schlacht auf dem Bodensee. Die keltischen Gebiete bis zur Donau werden dem Römischen Reich einverleibt und bilden die Provinz Raetia mit der Hauptstadt Augusta Vindelicorum (Augsburg). Die keltische Festung auf dem Auerberg wird zum römischen Militärposten, Straßen werden gebaut und gesichert, v. a. zwischen Bregenz und Kempten (über Heimenkirch – Wengen – Buchenberg) und die Via Claudia Augusta, die von Rom über Reschen- und Fernpass nach Augsburg führt. (Die angebliche Via Decia von Innsbruck nach joch – Scheidegg ist weder dokumentarisch noch archäologisch nachgewiesen; ihre »Existenz« verdankt sie einer Fehlinterpretation zweier Meilensteine.) Neue Ansiedlungen werden gegründet, bestehende wie Bregenz (Brigantium und Kempten (Cambodunum) ausgebaut. Bereits 18 n. Chr. er-wähnt der griechische Historiker Strabo in seiner »Geographika« Kempten als »Kambodunon«, ein keltischer Name, der soviel wie »befestigter Ort an der Flussbiegung« heißt. Die keltische Bevölkerung vermischt sich allmählich mit den Eroberern, der mit keltischen Elementen angereicherte römische Kultus setzt sich durch, bevor er ab dem 4. Jh. vom Christentum – durch Kaufleute, Soldaten und Sklaven ins Land (halong bucht vietnam) gebracht – abgelöst wird.
Spätantike Verstärkte Einfälle germanischer Völker (Alemannen, Franken) ab dem 3. Jh. läuten das Ende der römischen Herrschaft ein. Nach ersten Angriffen 213 fällt der Limes 233 zu großen Teilen. Alemannen dringen 233 und 250 nach Cambodunum vor, das sie teilweise zer-stören, bevor sie ab 259 die Provinz Raetia allmählich in Besitz nehmen. Von den Wirren der Zeit zeugen u. a. die Funde von vergrabenen Schätzen und Ruinen von Villen, etwa in Wiggensbach, Steinegaden bei Sulzberg, Bad Faulenbach und Roßhaupten bei Füssen. Die Absetzung des Kaisers Romulus Augustulus durch den germanischen Heerführer Odoaker 476 bedeutet das Ende des Weströmischen Reichs; die Donauprovinzen werden geräumt, Teile der römischen Bevölkerung kehren nach Italien zurück. Zwischen dem Bayerischen Wald, dem Lech und den Alpen lassen sich ab Ende des 5. Jh.s Ost-germanen nieder – hauptsächlich aus Böhmen, wovon die Bezeichnung Bajuwaren für die östlichen Nachbarn abgeleitet ist.
Im Allgäu wie in Schwaben gibt es viele Gasthäuser namens »Adler« (»Schwarzer Adler«, »Goldener Adler«) – eine Anspielung auf den Adler des Heiligen Römischen Reichs und seines Kaisers, dem die meisten Allgäuer Territorien unterstanden.
Früh- und Hochmittelalter
Ab Ende des 5. Jh.s geraten die Alemannen zunehmend in Konflikt mit den Franken. 536 fällt Letzteren der ganze alemannisch-baieri- sche Raum zu. Sie setzen Stammesherzöge ein, die relativ unabhängig regieren; auch behalten die Alemannen ihr eigenes Recht. Das Verhältnis bleibt aber immer gespannt, und 746 eliminiert Karlmann die alemannische Führungselite; Schwaben wird Eigentum des fränkischen Königs und durch Gaugrafen verwaltet. Aus dem 7. Jh. sind im Oberallgäu nur in Sonthofen, Altstädten, Fischen und Oberstdorf Siedlungsreste bekannt. Die frühalemannische Landnahme hatte ihren Südrand in dem weiten Bogen von Lindau über Leutkirch, Memmingen und Kaufbeuren bis Füssen. Im 8.Jh. schreitet die Besiedlung nach Süden voran (Orte auf -ingen, -hofen, -beuren, -wang). Einen wichtigen Beitrag zur Zivilisation des Landes leistet die Kirche, organisiert in den Bistümern Augsburg, das im 3. Jh. entstand, und Konstanz, gegründet Ende des 6./Anfang des 7. Jli.s. Mönche aus St. Gallen, vor allem der »Apostel des Allgäus«, der hl. Magnus, sind um die Mitte des 8. Jh.s missionierend tätig; aus ihren Zellen entstehen die Klöster Füssen und Kempten. 764 stiftet ein fränkischer Graf das Kloster Ottobeuren, das mit Reichenauer und St. Galler Mönchen besetzt wird. 817 wird in einer St. Galler Urkunde zum ersten Mal das »Allgäu« genannt, als »pagus albigaugensis«, womit der Bereich etwa zwischen Scheidegg, Niedersonthofen und Oberstdorf gemeint ist. Die Klöster werden Zentren der Kultur. Literatur, Buchmalerei und Kunsthandwerk erleben dort eine hohe Blüte. Mit dieser Rolle der Klöster werden Traditionen begründet, die Land (mekong kreuzfahrt) und Leute bis zur Säkularisation prägen sollten.
Welfen und Als die fränkische Zentralgewalt bröckelt, kann im Jahr 839 der in Staufer Oberschwaben ansässige Zweig der Welfen die Udalrichinger als Gaugrafen ablösen. Welf IV. wird 1070 mit der baierischen Herzogs¬würde belehnt; in der Folge dehnt das Geschlecht seinen Besitz bis nach Südtirol aus. In den Wirren um den päpstlichen Bann über Kö¬nig Heinrich IV. stellen sich die Welfen auf die Seite des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden. Nachdem Heinrich Schwaben und das Allgäu blutig zu-rückerobert hat, macht er 1079 Fried¬rich von Staufen zum Herzog von Schwaben. 1138 wird Konrad von Staufen König, 1155 Friedrich I. Bar¬barossa Kaiser. In Schwaben geht der zerstörerische Konflikt zwischen den Welfen und den Staufern bis 1191 weiter, als Welf VI. stirbt und sein schwäbischer Besitz, den er aufgrund seiner Verschwendungssucht den Staufern verpfändet hatte, an den Erzfeind fällt. Mit weiteren Erwerbungen verfügen die Staufer nun über ein relativ geschlossenes Eigengebiet, das sie aber nicht lange halten können: Nach dem Tod des letzten Staufers Konradin 1268 zerbricht es in kleine weltliche und geistliche Territorien sowie Freie Reichsstädte wie Lindau und Kempten. Die politische Karte des 14.-18. Jh.s zeigt für Oberschwaben und das Allgäu einen bunten Flickenteppich, in dem das Hochstift Augsburg und das Fürststift Kempten größere Flächen einnehmen; über nennenswerte Territorien verfügen auch das Kloster Otto- beuren, die Truchsessen von Waldburg und die Grafen von Montfort (-Rothenfels u. a.). Im Westen sichern sich die wtirttembergischen Herzoge große Teile des Gebiets. Im östlich benachbarten Baiern können sich ab 1180 die Wittelsbacher Herzoge – trotz wiederholter Teilung – ein großes Herrschaftsgebiet aufbauen und erhalten. Aus der Konradinischen Erbschaft gehen westlich des Lechs Schongau und Landsberg (vietnam kambodscha laos) an die Wittelsbacher. Dass sie sich nicht mehr von Schwaben aneignen können, liegt einerseits an den Habsburgern, die 1301 die Markgrafschaft Burgau erwerben, andererseits am Widerstand des Schwäbischen Bunds (►S. 42).
In einer Reihe von Orten entsteht schon im frühen Mittelalter eine wohlhabende, einflussreiche Schicht von Handwerkern und Kaufleuten, die naturgemäß auch politisches Selbstbewusstein entwickelt.
Um sie sich gewogen zu machen, gewähren Könige und Kaiser ihnen Privilegien, die Stadtrechte (vor allem im 13. Jh.) und später den Status der Freien Reichsstadt, womit sie sich neben weltlichen und kirchlichen Territorien als dritte Kraft etablieren. Diese Städte – Lindau, Wangen, Isny, Leutkirch, Memmingen, Kempten, Kaufbeuren – liegen außerhalb des Gebiets, das zu dieser Zeit als »Allgäu« gilt und als raues Bauernland (vietnam und kambodscha beste reisezeit) keine städtischen Strukturen ausbildet.
Zwei bemerkenswerte Sonderfälle weist die Geschichte des Allgäus auf: die Freien von Eglofs und die Freien auf der Leutkircher Heide. 1243 hat Friedrich II. die »Grafschaft im Albgau mit der Burg Eglofs« gekauft und mit Bauern besiedelt, denen er persönliche Freiheit, Eigentum an ihren Gütern und weitere wichtige Privilegien gewährt.
Diese Bauern sind nicht ganz arm, denn ein Viertel der Kaufsumme bringen sie selbst auf. 1282 bekommt Eglofs gar das Stadtrecht, eine für das Heilige Römische Reich einzigartige Stellung. Das Siedlungsgebiet der Eglofser Freien entspricht dabei, mit einigen Ausweitungen, dem »Ur-Allgäu«, dem alten »pagus albigaugensis«. Die ähnlich privilegierten Freien auf der Leutkircher Heide, im alten Nibel- gau, gehen auf den Kauf der Grafschaft Zeil durch Friedrich II. um 1240 zurück (bei Hundhöfe an der B 18 südwestlich von Leutkirch erinnern Findlinge an sie). Beide Gruppen haben als »Freie im Allgäu« wesentlichen Anteil am Überleben des Namens »Allgäu«.
Einige häufige Typen von Ortsnamen rühren aus der Siedlungstätigkeit im Mittelalter. Die Namen auf »-weder« lassen erkennen, dass Einzelhöfe und kleine Hofgruppen schon vor der Vereinödung (►S. 45) existierten. Die fortschreitende Urbarmachung durch Rodung signalisieren Namen auf »-ried«, »-reut«, »-schwend« und ähnliche. Eine echte Allgäuer Besonderheit sind die sog. elliptischen oder geni- tivischen Ortsnamen, abgeleitet von einem Personennamen: z. B. Siebers, Eglofs, Metzlers, Diepolz (von Diepolt), Eckarts. Meist wird ein »-ried« oder ein »-weder« zu ergänzen sein.

 

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