Kunst in Allgäu (Teil 2)

Barock und Rokoko
Im 17. und besonders im 18. Jh. entstand eine große Zahl an Kirchen- und Klosterbauten, die aus dem Bild des Allgäus nicht wegzudenken sind. Selbst kleine Dörfer, wie Seeg nördlich von Pfronten, besitzen ein echtes Juwel. Den großartigen und kunsthistorisch bedeutenden Auftakt bildete die Kemptener Reichsabtei, die im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Truppen und protestantischen Kemptener Bürgern zerstört worden war: 1652 begann man mit dem Neubau der Stiftskirche. Erster Architekt war der Vorarlberger Michael Beer, von 1654 bis 1670 hatte der Graubündner Johann Serro die Bauleitung. Der beeindruckendste Teil der Kirche ist der achteckige Chorbau mit seinem vierstöckigen Kuppelschacht. Neben den Gestaltungselementen der italienischen Renaissance ist im Langhaus das sog. Vorarlberger Münsterschema zu erkennen, das den ganzen süddeutschen Barock prägte (herausragend: Obermarchtal, Weingarten, St. Gallen, Einsiedeln). Es ist im Kern bestimmt durch ein einschiffiges, tonnengewölbtes Langhaus, in dem mehr oder weniger tiefe Wandpfeiler Kapellen abteilen. Diese »Mauerzungen« werden von Emporen durchbrochen. Das Querhaus ist wenig ausgeprägt und wie die Seitenkapellen mit Quertonnen abgeschlossen. Im Bereich des Allgäus folgen diesem Typ u. a. die Klosterkirche in Irsee (Franz Beer, ab 1699), die Dominikanerinnenkirche Wörishofen (Franz und Michael Beer, 1723), die Stiftskirche in Lindau (Johann Caspar Bagnato, 1752) und die Benediktinerkirche in Ottobeuren (v. a. Johann Michael Fischer, 1756). In Letzterer wird, wie schon in Kempten, ein weiterer für die Vorarlberger Schule wichtiger Gedanke tragend, die Verbindung von Längs- und Zentralbau (s. u.).

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Kunst in Allgaeu 1
Eine Rarität ist die 1661-1664 erbaute Benediktinerklosterkirche St. Georg und St. Jakob in Isny: Sie hat die Form einer Hallenkirche. Ihre zierliche Innendekoration entstand erst hundert Jahre später. In Füssen beauftragte man 1701 den aus Sameister bei Roßhaupten stammenden Johann Jakob Herkomer mit dem Neubau der Kirche St. Mang, wobei er sich am mittelalterlichen Grundriss zu orientieren hatte. Im eher kühl anmutenden Kirchenraum erkennt man in den flachen Kuppeln, den Pfeiler- und Fensterformen Herkomers Schulung an der venezianischen Architektur. Repräsentativer für die Kunstlandschaft (mekong kreuzfahrt) Schwabens sind Bauten wie die Klosterkirche in Irsee und die einfallsreich gestaltete Wallfahrtskirche Maria Steinbach (1754) im Illerwinkel bei Memmingen. Höhepunkt und Vollendung der süddeutschen Barockbaukunst bildet die unter den Äbten Rupert Neß und Anselm Erb zwischen 1711 und 1766 erbaute Klosteranlage von Ottobeuren. Die Kirche, für die mehrere Architekten Entwürfe lieferten, wurde im Wesentlichen von Johann Michael Fischer aus München gestaltet. Das von einer Kuppelfolge geprägte Innere stellt eine wunderbare Verbindung von Längs- und Zentralbau dar. Die harmonisch abgestimmte Ausstattung mit farbigem Stuck, Fresken und Altären verleiht dem weiten Raum eine überwältigende Pracht.
Für das Entstehen eines barocken »Gesamtkunstwerks« war es not- Wessobrunner wendig, dass Architekt, Stuckateur, Maler und Bildhauer eng zusam- Stuck menarbeiteten. Dekor und Ausstattung bestimmen wesentlich die mal mächtig-festliche, mal heiter-verspielte Ausstrahlung der Kirchenräume. Viele Allgäuer Bauten wurden in den Gewölben und an den Wänden von Meistern aus Wessobrunn stuckiert. Aus dem nahe dem Lech gelegenen oberbayerischen Ort stammte eine große Zahl von Stuckateuren,
Baumeistern und Malern. Da die Meister innerhalb weniger Jahre ihre Muster veränderten oder wechselten, können Stuckdekore gut datiert werden. Aus einer weit verzweigten Künstlerfamilie stammte Joseph Schmuzer, der 1702/ 1703 in der Klosterkirche Irsee arbeitete. Feinteiliger noch als dieser dekorierte Matthias Stiller 1709 die Kreuzherrnkirche in Memmingen. In Kempten ließ der 1728-1748 amtierende Fürstabt von Reichlin-Meldegg seine Residenz in prunkvollem Rokoko gestalten. Die ab 1733 entstandenen Arbeiten von Johann Schütz und anderen sind von außerordentlicher Formenvielfalt. Schwungvollen Rocaillestuck führte Johann Michael Feichtmayr gegen 1760 in der Ottobeurer Klosterkirche aus. An Feichtmayr anknüpfend schuf Johann Georg Üblher große Rocaillekartuschen in der Wall-fahrtskirche Maria Steinbach.
Malerei und mehr noch als die Architektur war die süddeutsche Malerei italieni- Bildhauerei sehen Vorbildern verpflichtet. Für besonders wichtige Aufträge rief man gelegentlich italienische Meister. Der für den Münchner Hof arbeitende Venezianer Jacopo Amigoni malte im Ottobeurer Kloster in den 1720er-Jahren mehrere Deckenbilder. Der in Kempten gebürtige Maler Franz Georg Hermann lernte in Venedig bei Antonio Pellegrini und war 1712/1713 mit Cosmas Damian Asam in Rom. Von Hermann stammen u. a. Altarbilder in Füssen (St. Mang), Deckengemälde im Thronsaal der Kemptener Residenz und in Maria Steinbach. Ein überaus bedeutender Auftrag war die Ausmalung der Kuppeln in der Ottobeurer Klosterkirche, die die Tiroler Brüder Johann Jakob und Franz Anton Zeiller ausführten. Die vielfigurigen und in illusionistischer Untersicht gemalten Fresken zählen zu den Hauptwerken barocker Deckenmalerei in Süddeutschland .
Unter den Bildhauern ist der aus dem Oberinntal stammende und in Füssen ansässige Anton Sturm von Interesse, da er als einer der wenigen Meister hierzulande auch Figuren aus Marmor fertigte. Um 1717 entstanden seine vom oberitalienischen Barock angeregten Bildwerke in der Magnuskapelle von St. Mang in Füssen. Wenige Jahre später schnitzte der Einheimische Thomas Seitz die leuchtertragenden Drachenfiguren im Chor von St. Mang. In den 1740er-Jahren fertigte der Niederländer Aegid Verhelst, von dem u. a. die Hochaltarstatuen der Wieskirche stammen, mehrere Allegoriefiguren für den Thronsaal der Kemptener Residenz. Seiner Kunst steht auch die grazil bewegte Immaculata in der Pfarrkirche von Deuchelried bei Wangen nahe. Für die Ottobeurer Klosterkirche schufen Joseph Christian und Johann Michael Feichtmayr kurz nach 1760 bedeutende Skulpturen, darunter die Taufgruppe über dem Taufstein.
Klassizismus
Der Klassizismus entstand im Gegensatz zum illusionistischen Barock als Rückgriff auf die klare Formenwelt der Antike. Ab 1770 ist der Übergang zum Klassizismus festzustellen. Für den Wandel in der Auffassung ist besonders die ab 1783 errichtete Prämonstratenserkir- che von Rot an der Rot sehenswert (nahe Buxheim, knapp außerhalb des in diesem Führer erfassten Gebiets). Zwar folgt der Bau noch dem barocken Schema einer Wandpfeilerkirche, doch erzeugt das Plafondgewölbe in Verbindung mit dem klassizistischen Dekor nun einen tempelartigen Eindruck. Auch in die von Januarius Zick gemalten Deckenbilder ist eine strenge Ordnung eingekehrt. Die klei¬nere Pfarrkirche von Bad Wurzach (1777) zeigt, wie schnell sich der Klassizismus in Schwaben verbreitete. Vorbild war die von Michel dTxnard, einem der Hauptarchitekten der Zeit, entworfene Damen¬stiftskirche von Bad Buchau. Ein Profanbau des Klassizismus ist in Kempten das Zumsteinhaus von 1802, in dem das Römische Museum untergebracht ist. Werke der klassizistischen Malerei sind eine »Geburt Christi« von Anton Raphael Mengs (um 1760/70) in der Pfarrkirche von Oberstdorf und ein Angelika Kauffmann zugeschrie¬bener Gekreuzigter in der Pfarrkirche von Opfenbach.
Romantik und Historismus
1803 fiel das Allgäu zu weiten Teilen an das Königtum Bayern. König Ludwig I. förderte die Künste, und der romantische Stil der Nazarener hielt verspätet auch im Allgäu Einzug. Zu nennen sind hier etwa die Ausmalung von St. Blasius in Dietmannsried (1861) durch Fidelis Schabert, einen Schüler von Peter Cornelius, und die aus Oberstdorf stammenden Brüder Johann Baptist und Claudius Schraudolph; ihr Hauptwerk war die Ausmalung des Speyerer Doms, im Allgäu sind sie v. a. in Oberstdorf vertreten (Pfarrkirche St. Johannes, Kapellen in der Birgsau). Zu den größten Attraktionen gehören aber die Schlossbauten der bayerischen Könige, die eine Vorliebe für Ritterburgen und alte Sagen besaßen. Der spätere König Maximilian II. ließ in den 1830er-Jahren die Ruine Hohenschwangau von seinem Zeichenlehrer Domenico Quaglio im englischen Tudorstil ausbauen und mit Szenen aus alten Sagen ausgestalten. Der Rückgriff auf das Mittelalter fand seinen märchenhaften Höhepunkt im benachbarten Schloss Neuschwanstein, das grandios landschaftsbeherrschend auf steilem Felsen aufragt. König Ludwig II. ließ es ab 1868 im Stil einer spätromanischen Burg erbauen. Die Wandbilder zeigen Szenen aus Opern von Richard Wagner, den Ludwig II. fast abgöttisch verehrte. In der Zeit um 1880 wurde auch in den Städten im historisierenden Stil gebaut. Eine fantasievolle Neorenaissance zeigt der Treppengiebel des Rathauses von Lindau, entworfen von Friedrich von Thiersch, der auch sonst viel in der Bodenseestadt baute. Das Rathaus in Kaufbeuren gestaltete Georg Hauberrisser in den Formen der Neorenaissance. Wie diese beiden Architekten kamen auch die Maler oft aus der Landeshauptstadt München.

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20./21. Jahrhundert
Einerseits wirkte Anfang des 20. Jh.s der Historismus fort (z. B. mit den neobarocken Kirchen St. Andreas in Nesselwang, 1906, und St.Peter und Paul in Lindenberg, 1914), andererseits versuchte man sich vom Überlieferten zu lösen. Der an Pflanzenformen orientierte Jugendstil findet sich etwa am Brunnen vor St. Mang in Kempten (Georg Wrba, 1905) und in der Kaufbeurer Dreifaltigkeitskirche, die ab 1901 von Albert Schmidt (Stuck) und Kunz Meyer (Fresken) umgestaltet wurde. In den 1920er-Jahren entstanden etliche Privatvillen im Stil der klassischen Moderne. In ihrer Nachfolge steht das Hinde- langer Terrassenhotel am Oberjoch (Lois Welzenbacher, 1937), das ein älteres Bauernhaus um zwei Terrassengeschosse erweiterte. Im Dritten Reich erbaute Hermann Giesler in Sonthofen von 1934 bis 1941 die Ordensburg, eine monumentale Ausbildungsstätte für Eliteeinheiten, aus mit Naturstein verkleidetem Stahlbeton.
Gegenwart
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden wieder neue Sakralbauten.
Ein Beispiel ist die Kartause Marienau bei Bad Wurzach (E. Steffan/ G. Hülsmann, 1964); Zellen und Kreuzgang sind in einer einfachen, mittelalterlich anmutenden Bauweise vereint. Die Wallfahrtskirche in Wigratzbad bei Opfenbach, die sich wie die Stahl-Glas-Version einer Zeltstadt ausnimmt, ist das Werk von Gottfried Böhm (1972), einem der wichtigsten deutschen Architekten seit 1945. In den 1970er-, 1980er-Jahren hatte der bedeutende Designer Otl Aicher (u. a. Gestaltung der Olympischen Spiele München 1972) sein Atelier in Rotis bei Legau; dort entwickelte er 1988 die gleichnamige Schriftfamilie, die v. a. in der Werbung häufig verwendet wird. Gegenwärtig ist im Allgäu eine Wiederentdeckung des Holzbaus zu verzeichnen, teils in Anlehnung an die Bauhaus-Ästhetik, teils unter Aufnahme traditioneller Formen. So bei den aufsehenerregenden Wohnhäusern von SoFIo Architektur oder becker architekten, dem Ausstellungsgebäude Baufritz in Erkheim, der Fachoberschule Memmingen und den Fir-mengebäuden Sirch in Böhen und Altenried in Hergatz (die beiden letzteren entworfen von Baumschlager & Eberle, Lochau/Vorarlberg). Auch die neuen Bergstationen der Hörnerbahn (Bolsterlang) und der Kanzelwandbahn (Kleinwalsertal) übertragen lokale Traditionen in eine »Zweite Moderne«.

 

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