Musik in Allgäu (Teil 2)

Jodeln

Die Verbindungen zum alemanni­schen Nachbarland Schweiz zeigen sich nicht nur im Alphorn und im »Schwyzer Örgeli«, sondern auch in Bedeutung und Art des Jodeins, was aufgrund der eng verwandten Mund­art naheliegt. Um 1920 wurde die erste Jodlergruppe in Hindelang ge­gründet. An wechselnden Orten kom­men seit 1949 einmal im Jahr, meist Anfang September, Jodlergruppen – über 200 Sänger vom Duo bis zur großen »Johlargruppe« – beim All­gäuer Lieder- und Jodlertag in einem großen Festzelt zusammen, um sich in einem Wertungssingen der Jury und dem großen Publikum zu präsentie­ren. Charakteristisch ist im Allgäu die Größe der Jodlergruppen: Nicht sel­ten sind da bis zu 16 gestandene Mannsbilder vereint, die vierstimmig singen (oft a cappella) und unter denen ein oder zwei Solisten heraus­ragen, ähnlich wie in der Schweiz. Diese »Großform« ist fast eine reine Männerdomäne. Doch hin und wie­der werden die Solojodler durch eine Frauenstimme unterstützt. Was akus­tisch und auch optisch einen will­kommenen zusätzlichen Reiz bietet …Steinen beschwert. Ab etwa 1860, nach der Erfindung des Falzziegels, bekamen die Häuser steilere Dächer. Die diversen Varianten des All­gäuer Bauernhauses wurden fast ausschließlich aus Holz errichtet, und zwar im sog. Strickbau, d. h. aus Balken mit verzahnten Eckver­bindungen. Der Riegel- oder Fachwerkbau verbreitete sich im 18. Jh. v. a. im Unterallgäu. Sein Erdgeschoss ist gemauert oder ebenfalls in Strickbauweise ausgeführt; sein Dach steht ringsum viel weiter über. Besonderheiten weist auch das Westallgäuer Haus auf: Sein Wohnteil ist mit Schindeln verkleidet, seine Fenster liegen unter geschweiften Wandvorsprüngen. Im ganzen Allgäu, v. a. im Oberallgäu, lässt sich der wachsende Raumbedarf im 19. Jh. aufgrund der Umstellung auf Grünlandwirtschaft (mekong kreuzfahrt) an charakteristischen Veränderungen ablesen.

Jodeln in Allgaeu

Alte Grundform ist ein einfaches Rechteck, das durch den Hausgang in Wohn- und Wirtschaftstrakt geteilt wird. Dann wurde südlich an den Wirtschaftstrakt der Hakenschopf angebaut, später kam diagonal gegenüber, am Wohntrakt, der Wagenschopf hinzu. Etwa ab 1870 wurde der Wirtschaftstrakt um den sog. Wiederkehr vergrößert, ei­nen quer zum Hauptfirst orientierten Scheunenbau, entweder einsei­tig nach Süden abgewinkelt oder zweiseitig, einen Kreuzfirst bildend.

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Um auch den Raum unter seinem Dach nutzen zu können, bekam er häufig ein Oberschoss (Hoch- oder Obertenne), das über die »Hoch(ein)fahrt« zu erreichen ist. Heute muss man genauer hin- schauen, um unter der mehr oder weniger geschmackvollen Ein­heitsarchitektur im bajuwarischen bzw. alpinen »Jodelstil« Beispiele echter alter Baukunst oder gute moderne Weiterentwicklungen zu finden (in dieser Hinsicht lohnt sich ein Ausflug in den Bregenzer­wald). Das Museumsdorf Gerstruben bei Oberstdorf, die Bauern­hausmuseen Illerbeuren, Wolfegg, Knechtenhofen bei Oberstaufen und Diepolz bei Immenstadt sowie einige Heimatmuseen – in Wei­ler, Gestratz, Oberstaufen, Fischen, Nesselwang, Buchenberg, dazu die Katzbrui-Mühle bei Apfeltrach – zeigen, wie’s früher aussah.

Bräuche und Feste

Die traditionellen Termine des bäuerlichen Lebens und des Kirchen­jahres haben auch heute noch, bei aller Vereinnahmung oder gar Verfälschung als Touristenattraktion oder kommerzielle Freizeitakti­vität, große Bedeutung. Mindestens in demselben Maß dienen sie seit je auch ganz unmittelbaren irdischen Freuden.

Weniger verbreitet als im Oberbayerischen, dennoch sehr prächtig  sind die Pferde- bzw. Reiterprozessionen. Der hl. Georg, der wie der  hl. Leonhard als Schutzpatron der Pferde gilt, hat seinen Festtag am 23. April; an diesem Tag oder dem folgenden Sonntag wird er auf dem Auerberg begangen, am letzten Sonntag des Monats in Bodelsberg bei Kempten. Am zweiten Oktober-Sonntag hat eine Wallfahrt mit schöner Reiterprozession die Kirche St. Coloman bei Schwangau zum Ziel. Ebenfalls Mitte Oktober finden Wendelinsritte u. a. In Scheidegg und Fischen statt. Die großartigsten Ereignisse aber ver­zeichnet das benachbarte Oberschwaben: in Weingarten den Blutfrei­tag am Tag nach Himmelfahrt, die größte Reiterprozession der Welt; nur wenig steht dem das Heilig-Blut-Fest in Bad Wurzach am zwei­ten Juli-Freitag nach.

Frühjahr Bevor der Frühling kommen kann, muss der Winter ausgetrieben werden, was man passenderweise mit vorfastenzeitlicher Ausgelas­senheit verbindet: Wie im ganzen alemannischen Raum gehört die Fasnacht (Fasnet) zu den großen Ereignissen des Jahres; in Scheidegg treffen sich gar Tausende Narren. Gefeiert wird im fantasievollen »Häs« (Kostüm) und grotesken Holzmasken; zunehmend beliebt werden die aus der Schweiz »importierten« Guggenmusiken. Die ho­he Zeit dauert vom »Unsinnigen/Gumpigen/Schmutzigen Donners­tag« bis Fasnachtsdienstag, dann gibt’s auch auf den Skipisten Mum­menschanz. Am ersten Fastensonntag, dem Funkensonntag, werden Hexen aus Stroh in großen Feuern verbrannt, auch dies ein heidni­scher Brauch, der Böses abwenden und Fruchtbarkeit fürs neue Jahr bringen soll. Dazu werden in Schmalz ausgebackene »Funkakiachle« verspeist. In Bayern beginnt in der Mitte der Fastenzeit die »fünfte Jahreszeit«, die Starkbierzeit, eingeläutet vom Salvator-Anstich auf dem Münchner Nockherberg: Nach klösterlicher Tradition frönt man auch im Allgäu dem über 7 % starken Bockbier. Die Karwoche von Palmsonntag bis Ostersonntag wird feierlich begangen, von der Weihe der Palmbuschen und Palmeselprozessionen über das Vertei­len »geweihten Feuers« am Karfreitag bis zu diversen Osterbräuchen; die Osterbrunnen, in der Fränkischen Schweiz zu Hause, sind auch schon im Allgäu anzutreffen. Richtig Frühling ist es, wenn am 1. Mai der Maibaum aufgestellt wird, ein bayerischer Brauch, der auch im Allgäu Fuß gefasst hat. Der Baum ist weiß-blau bemalt oder mit Tan­nengrün umwunden, mit Gewerbesymbolen und Trachtenfiguren ge­schmückt und mit einem Kranz bekrönt. Der Mai ist als »Marienmo­nat« auch die wichtigste Wallfahrtszeit in Bayern.

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Sommer Fronleichnam am 2. Donnerstag nach Pfingsten ist eines der pracht­vollsten Feste des Jahres. Prozessionen bewegen sich, vorbei an blu­mengeschmückten Altären, durch Städte und Fluren. Das Fest des Leibes Christi geht auf ein Blutwunder im italienischen Bolsena zu­rück und wurde 1264 offiziell angeordnet, neun Jahre später fand in Benediktbeuern die erste Prozession in Bayern statt. Die heidnischen Sonnwendfeuer sind heute wieder im Schwang, verpackt als Johan­nisfeuer am 14. Juni. Der Juli ist kein Festmonat, jedenfalls nicht im bäuerlichen Umkreis (wenngleich in Oberstdorf alle paar Jahre die Wilden Mändle tanzen). Dafür finden in den einstigen Freien Reichs­städten wie Lindau, Wangen und Kaufbeuren traditionsreiche Kin­derfeste statt, anderswo – wie in Memmingen mit dem Wallenstein­fest und dem Fischertag – wird mit Stadt- und Volksfesten Unterhal­tung geboten. Am 15. August, zum Höhepunkt des Sommers, ist wieder ein Marientag zu feiern: Zu Mariä Himmelfahrt werden »Kräuterboschen« gesammelt und geweiht. Viele Wallfahrtskirchen feiern ihr Marien-Patrozinium, etwa Maria Trost bei Nesselwang.

Im September geht der dreimonatige Sommer (vietnam kambodscha rundreise) auf den Alpen zu En-de. Blieb alles Vieh wohlbehalten, werden die Kühe mit prächtigem Kopfschmuck ins Tal getrieben und auf dem »Scheidplatz« an ihre Besitzer verteilt. Meist findet der Viehscheid an traditionellen Termi­nen zwischen dem 10. und 24. Sept. statt (heute allerdings z. T. auf das Wochenende verlegt). Als schönster und größter gilt der in Gunzesried. Am 1. Sonntag im Oktober wird Erntedank da und dort mit festlichen Gottesdiensten gefeiert. Kirchweih, das seit 1868 am 3. Ok­tober-Sonntag begangen wird, ist im Grund ein Dankfest, an dem sich Familien und Sippen bei Speis 8< Trank, Musik 8c Tanz treffen; religiöse Dinge sind zweitrangig vor der Frage, wie die Kirchweih­gans gerät. An Martini (11. Nov.) langte man in früheren Zeiten vor dem Adventsfasten bei der Martinsgans noch einmal richtig zu.

Advent wird gern als besinnliche Zeit apostrophiert, der Weihnachtsrummel, die inflationären Christkindlmärkte und kommerziellen Weihnachtskonzerte lassen davon jedoch wenig übrig. Ein Advents­singen in einer Dorfkirche sollte man sich aber nicht entgehen las­sen. Wie überall ist am 6. Dez. der hl. Nikolaus unterwegs, wobei er im Bereich der Alpen von schreckerregenden Höllengeistern begleitet wird: Am 5./6. Dez. treiben die Klausen ihr (Un-)Wesen; schon am 4. Dez., dem Barbaratag, finden Mädchen und Frauen beim Bärbele- treiben Gelegenheit zu entsprechendem Tun.

 

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