Reisen Ravensburg in Allgäu

Vom Allgäu aus lohnt sich ein Ausflug nach Oberschwaben: nach Ravensburg, der »Stadt der Türme und Tore«, die sich ihr mittelalterliches Stadtbild weitgehend bewahrt hat, und Weingarten mit seiner grandiosen Basilika, dem größten Barockbau Deutschlands.
Ravensburg entstand um die gleichnamige Burg, die Welf IV. – seit 1070 Herzog von Bayern – um 1080 als Sitz der von ihm begründe- ten jüngeren Linie der Welfen errichten ließ. 1180 verlor der Weifenherzog Heinrich der Löwe den Familienbesitz in Süddeutschland an den Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa, der die Ravensburg 1191 zum Sitz der Reichsverwaltung in Schwaben machte. Rudolf von Habsburg wiederum erhob Ravensburg 1278 zur Reichsstadt, die sich mit bedeutenden Privilegien zu einem kleinen Territorialstaat entwickelte. Die etwa zwischen 1380 und 1530 bestehende Große Ravensburger Handelsgesellschaft brachte durch ihren internationalen Handel, besonders mit oberschwäbischer Leinwand, Reichtum in die Stadt. In der Reformation entschied sich die Stadt für konfessionelle Gleichberechtigung, was kuriose Folgen hatte: Es gab zwei Bürgermeister, je acht katholische und evangelische Ratsherren und zwei Rutenfeste. Schlimme Auswirkungen hatten der Dreißigjährige Krieg, unter anderem brannte 1647 die Burg ab. 1802 kam die Stadt zu Bayern, 1810 zum Königreich Württemberg. Den Zweiten Weltkrieg überstand Ravensburg fast ohne Schäden.

Ravensburg in Allgaeu

Baedeker TIPP
Stadt der Spiele
In Ravensburg ist der 1883 gegründete »Spieleverlag Otto Maier« ansässig, heute »Ravens-burger Spieleverlag«. Die Marke mit dem blauen Dreieck ist deutscher Marktführer für Spiele und europaweit Nummer eins in Sachen Puzzles; das weltweit erfolgreichste Spiel ist Memory. Zur Firmengruppe gehören auch der Ravensburger Buchverlag, mit ca. 15 Mio. Büchern pro Jahr größter Kinderbuchverlag Deutschlands, und das Ravensburger Spieleland (► S. 282). Und Anfang September wird die Altstadt unter dem Motto »Ravensburg spielt« zur großen Spielwiese.
Sehenswertes in Ravensburg

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Die meisten großen Bauwerke, die das Gesicht der Altstadt prägen – dazu gehören nicht weniger als 14 Türme und Tore stammen aus der Blütezeit Ravensburgs im ausgehenden Mittelalter, als es durch den Handel mit Leinen und Barchent sowie mit Papierherstellung zu Reichtum kam. Zentrum der Altstadt ist der immer belebte Marienplatz; er markiert die Grenze zwischen der um 1250 angelegten staufischen Oberstadt im Osten und der 100 Jahre jüngeren Unterstadt im Westen. Den Platz dominiert der hübsche, 51 m hohe Blaserturm, einst Teil der Stadtbefestigung und ab dem 16. Jh. zentraler (Feuer-)Wachturm der Stadt. Von oben hat man einen prachtvollen Blick über Stadt und Umgebung (zugänglich April-Okt. Mo-Fr. 14.00-17.00, Sa. 11.00-16.00 Uhr). An ihn ist das Waaghaus von 1498 angebaut, das als Kaufhalle und Stadtwaage diente; der Schwörsaal – mit eindrucksvoller Eichenholzkonstruktion – wird heute für kulturelle Veranstaltungen genützt. Das Lederhaus gegenüber dem Blaserturm wurde 1513/1514 als Markthaus der Lederhandwerker erbaut und 1574 mit Grisaillemalerei und Giebelverzierung manieris- tisch verändert; heute ist hier die Post untergebracht. Dahinter steht das für kranke Pilger und Gesellen errichtete Seelhaus (1408) mit barockem Giebel. Das rote spätgotische Rathaus von 1386 besitzt einen Renaissance-Prunkerker von 1571 und zwei spätgotische Ratssäle. Weiter südlich steht die evangelische Stadtkirche, die um 1350 als Kirche eines Karmeliterklosters erbaut wurde; die typische Bettelordenskirche mit Holzbalkendecke besitzt gotische Fresken (14./15. Jh.) und zahlreiche Grabsteine von Patriziern und Kaufleuten. Nach Einführung der Reformation 1549 diente das Schiff dem protestantischen Gottesdienst, der Chor den Karmelitern (bis 1806). In der an den Chor anstoßenden Kapelle der Ravensburger Handelsgesellschaft (1452) sind vier spätgotische Fenster erhalten, auf denen Schutzheilige der Kaufleute dargestellt sind.
Vom Blaserturm führt die Kirchstraße nördlich zu der ab etwa 1360, im Stil der franziskanischen Bettelordenskirchen erbauten katholischen Kirche Unserer Lieben Frau. Schön sind das Westportal und die farbenprächtigen Fenster im Chor (1415).
Vom Frauentor (14. Jh.) nördlich der Liebfrauenkirche empfiehlt sich ein Gang westlich um die Reste der turmbewehrten Stadtmauer (die anderen Teile wurden 1835 niedergelegt). Gleich nebenan ragt der Grüne Turm (15. Jh.) auf, benannt nach der Farbe seiner Dachziegeln. Die Nordwestecke der Altstadt markiert der 50 m hohe Gemalte Turm (15. Jh.), der seinen Namen wegen der Bemalung mit Rautenmustern und Wappen erhielt. Weiter südlich das 36 m hohe Untertor (1363) mit einstiger Zollstation. Das Südwesteck der Altstadt nimmt der 44 m hohe Spitalturm ein, erbaut bei der zweiten Stadterweiterung im 14. Jh., der wegen der einstigen Schweineställe des benachbarten Spitals im Volksmund »Sauturm« heißt. Östlich dahinter geht man durch den Hirschgraben mit den am besten erhaltenen Resten der Stadtmauer.
Vom Rathaus führt die malerische Marktstraße (Markt wird samstags gehalten), in der sich die breiten Häuser der Patrizier von den schmalen der Handwerker unterscheiden lassen, zum 42 m hohen Obertor von 1432 mit Pechnase und Armsünderglöck- lein im Giebel. Am Anfang der Marktstraße (Nr. 13) steht links das Alte Theater (1625), ein frühbarocker Bau, der zunächst als Brotlaube diente und ab 1698 als Theatersaal genutzt wurde; heute präsentiert hier die Städtische Galerie in Wechselausstellungen Kunst von internationalem Rang. Das Stammhaus des Ravensburger Spieleverlags in Haus Nr. 26 beherbergt das Ravensburger Spielemuseum (geöffnet April-Juni Do. 14.00 bis 18.00, Juli-Anfang Sept. Di.-Fr. 14.00-18.00, Sa., So. 14.00-17.00 Uhr). Vor dem Obertor steht links (Nr. 59) das Haus der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft mit Barockgiebel. das im Kern aus dem 12. Jh. stammt und 1446 umgebaut wurde.
Mit dem Humpis-Quartier hat sich in der Oberstadt ein eindrucks- volles spätmittelalterliches Ensemble erhalten, erbaut zwischen 1380 und 1508 von der Kaufmannsfamilie Humpis. Die sieben Gebäude, die sich um einen Hof gruppieren, werden bis 2009 zu einem großzügigen Stadtmuseum ausgebaut. Bis dahin ist der Komplex zu unterschiedlichen Werkausstellungen zugänglich (Marktstr. 45/47).
Westlich des Obertors ragt das Wahrzeichen der Stadt auf, der 51m hohe Rundturm Mehlsack, erbaut um 1425 und benannt nach dem weißen Putz. Man kann ihn erklimmen und die Aussicht über die Stadt genießen (zugänglich April-Okt. So. 10.00- 13. 00 Uhr).
Der um 1350 erbaute Schellenbcrgcr Turm nördlich des Obertors wurde im 17. oder 18. Jh. durch einen Blitzschlag zur Ruine. Er heißt im Volksmund »Katzenlieseles-Turm«, nach einer alten Frau, die im 19. Jh. mit ihren Katzen in der Ruine hauste.
Vom Obertor geht man durch hübsche Parkanlagen hinauf zur Veits- bürg (525 m). Am Platz der 1647 abgebrannten Stammburg der Wel¬fen errichtete Johann Caspar Bagnato 1750 ein Schlösschen, das heu¬te die Jugendherberge und ein Restaurant mit Gartenterrasse beherbergt. Schöne Aussicht über Stadt und Umgebung.
Am Nordostrand der Altstadt überrascht das prachtvolle neobarocke Konzerthaus, das bedeutendste Ravensburger Baudenkmal aus dem späten 19. Jahrhundert. Es wurde 1896/1897 von dem seinerzeit berühmten Wiener Architekturbüro Fellner & Helmer erbaut, das vor allem Österreich und osteuropäische Länder (vietnam kambodscha laos) mit Theatern, Kaufhäu¬sern, Banken und Hotels ausstattete.

Umgebung von Ravensburg
Etwa 3 km südlich liegt das ehemalige Prämonstratenserstift Weiße- nau – benannt nach der weißen Kutte der Chorherren -, nach Wein- garten einst das mächtigste und kulturell bedeutendste Reichskloster im südlichen Oberschwaben. Seine Kirche St. Peter und Paul ist ein vorzügliches Werk der Vorarlberger Schule, erbaut 1717-1724 von einem ihrer bedeutendsten Vertreter, Franz Beer von Bleichten (1660- 1726); von ihm stammen u. a. auch das Kloster Irsee und die Abtei Oberschönenfeld, an Weingarten (►unten) war er wesentlich beteiligt. Am Langhaus, einer typisch vorarlbergischen Wandpfeilerhalle, sind die unterschiedliche Breite der Joche und die Emporen bemerkenswert, die erst an der Rückseite der Wandpfeiler ansetzen. Den zurückhaltenden, flachen Stuck schuf der Wessobrunner Franz Schmuzer, die Deckengemälde – ausgeführt in Öl auf Leinwand! – der Konstanzer Carl Stauder. 19er längsovale Chor des Beerschen Plans wurde nicht gebaut, erhalten blieb der Bau von Martin Barbieri aus Roveredo (1631). Der frühbarocke Hochaltar (1631) ist ein Meisterwerk von Zacharias Binder, das prächtige Chorgestühl kam 1635 hinzu. Die Orgel von Johann Nepomuk Holzhey (1787), dem neben K. J. Riepp und J. Gabler bedeutendsten Orgelbauer des süddeut-schen Barocks, wurde nach der Säkularisierung mehrfach verändert und in den 1980er-Jahren originalgetreu restauriert. An die Kirche stößt südlich der ab 1708 ebenfalls von Franz Beer errichtete Konvent an, der seit 1892 vom Psychiatrischen Krankenhaus Weißenau genützt wird. Im großen, reich mit Stuck von Franz Schmuzer (1722) geschmückten Festsaal finden Konzerte statt; Termine und Karten bei der Ravensburger Touristeninformation.
In Liebenau bei Meckenbeuren (11 km südlich von Ravensburg) können sich Kinder im »größten Spielzimmer der Welt« vergnügen, mit über 40 Attraktionen, darunter bekannte Ravensburger Spiele im Großformat und sieben Themenparks wie Future World und Käpt’n Blaubärs Wunderland. Darüber hinaus gibt es ein »Verrücktes Laby¬rinth« und konventionellere Attraktionen wie Wildwasser-Rafting, Abenteuerspielplatz und Kletterwand. Geöffnet Anfang April-Ende Okt. tägl. ab 10.00 Uhr, Schließung im Sommer um 18.00, sonst 17.00 Uhr, wechselnde Ruhetage (Info-Tel. 0 75 42/400-100, www.spieleland.com).

RAVENSBURG ERLEBEN
AUSKUNFT
Touristeninformation Kirchstr. 16, 88212 Ravensburg Tel. (07 51) 82-800 www.ravensburg.de
Amt für Kultur und Tourismus Münsterplatz 1, 88250 Weingarten Tel. (07 51) 405-125 www.weingarten-online.de
FESTE UND EVENTS
Im Februar Fasnet mit Umzügen. Ende Juli feiert man in Ravensburg das prachtvolle mehrtägige Rutenfest (erstmals 1645 erwähnt) mit Umzug, Rutentheater, Adler-, Bogen- und
Armbrustschießen sowie Feuerwerk. In Weingarten am Fr. nach Christi Himmelfahrt Heilig-Blut-Fest. Im Sommer Klosterfestspiele in Wein¬garten (Freilichttheater im Gartenhof der Abtei und im Hof am Schlüssle). Anfang Sept. (letztes Sommerferien- Wochenende) »Ravensburg spielt«.
ÜBERNACHTEN / ESSEN ► Luxus
(D Hotel Waldhorn
Ravensburg, Marienplatz 15 Tel. (07 51) 36 12-0 www.waldhorn.de Die erste Adresse der Stadt. Gesch¬mackvoll romantisch oder modern gestaltete Gästezimmer. Das Restaurant von Albert Bouley gehört seit vielen Jahren zu den besten in Deutschland (So./Mo. geschl.).
Feine regionale Küche genießt man im zugehörigen Rebleutehaus (Schulgasse 15) mit prächtiger Zunftstube von 1469.
► Komfortabel
© Hotel-Gasthof Obertor
Ravensburg, Marktstr. 67 Tel. (07 51) 36 67-0 www.hotelobertor.de Das geschichtsträchtige Gemäuer un¬mittelbar am Stadttor besticht mit besonderem Flair. Flübsche, mit antiken Möbeln gestaltete Zimmer, gute regionale Küche genießt man im heimeligen Restaurant.
® Gasthof Engel
Ravensburg, Marienplatz 71 Tel. (07 51) 3 63 61 30 www.engel-ravensburg.de Im seit 1878 bestehenden, schönen Gasthof wohnt man ebenso gemütlich wie gediegen. Restaurant mit gutbürgerlicher schwäbischer Küche.

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► Günstig
© Gasthof Bären
Weingarten, Kirchstr. 3 Tel. (07 51) 56 12 00 www.baeren-weingarten.de Der über 300 Jahre alte Bären neben dem Weingartner Rathaus bietet nette, großzügige Gastzimmer. Saisonal geprägte schwäbische Küche (Restaurant Mo. geschl.), hübsche Terrasse im Rathaushöfle unter Palmen.
Weingarten
Weingarten (485 m, 23 600 Einw.), das sich 4 km nördlich von Ravensburg in einer Weitung des Schussen-Tals ausbreitet, ist berühmt als Wallfahrtsort mit einem der großartigsten Kirchenbauten überhaupt, dem »Schwäbischen St. Peter«.
In Altdorf, wie der Ort bis 1865 hieß, gründete der Weifengraf Hein- rieh um 940 ein Frauenkloster mit der Familiengrablege. Nach einem Brand 1053 verlegte Welf III. das Kloster 1056 auf den mit Reben be¬standenen Martinsberg und nannte es »Weingarten«. 1056 übergab er es den Benediktinern aus Altomünster bei Dachau, während die Nonnen ins Kloster Altomünster zogen. Das Kloster war als Reichs¬abtei mit ausgedehnten Besitzungen bis zu seiner Aufhebung 1802 ein bedeutendes wirtschaftliches und kulturelles Zentrum in Schwaben. Der ganze Besitz kam 1806 an Württemberg. Seit 1922 gibt es im Konvent wieder ein Benediktinerkloster, weitere Teile werden von der Pädagogischen Hochschule und der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart genützt. Papst Pius XII. erhob die Abteikirche 1956 zur »Basilica minor«.
Eine 1048 in Mantua aufgefundene Heilig-Blut-Reliquie gelangte 1094 durch Judith, die Gemahlin Welfs IV., an das Kloster Weingar- ten. Ihr zu Ehren feiert die Stadt am Tag nach Christi Himmelfahrt ein großes, für ganz Oberschwaben bedeutendes Fest: den Blutfreitagmit dem Blutritt. Am Vorabend ziehen nach dem Festgottesdienst in der Basilika Tausende Pilger in einer Lichterprozession hinauf zum Kreuzberg.
Oben auf dem Martinsberg dominiert die eindrucksvolle Front der Abteikirche St. Martin von Tours (halong bucht tour) und Oswald das Bild der Stadt. Die mit 117 m Länge größte Barockkirche nördlich der Alpen, erbaut in den Jahren 1715-1724, nimmt den Platz der 68 m langen romanischen Basilika des 12. Jh.s ein. Die mächtige Tambourkuppel, ein im deutschen Sprachraum seltenes Element, ist dem Petersdom in Rom nachempfunden, die konvexe Fassade mit 58 m hohen Türmen der Kollegienkirche in Salzburg (sic diente wiederum Einsiedeln als Vorbild). Im Nordturm der Basilika hängt die 6,9 t wiegende Hosanna- glocke, gegossen 1490 vom Büchsenmacher des württembergischen Grafen Eberhard im Bart. Der Urheber der letztlich realisierten Pläne ist nicht sicher; Norbert Lieb, ein ausgewiesener Kenner der Materie, schreibt sie dem Vorarlberger Franz Beer von Bleichten zu, der bis 1716 die Bauleitung hatte. Weiter beteiligt waren lauter herausragende Baumeister: Kaspar Moosbrugger aus Einsiedeln, Johann Jakob Herkomer aus Füssen, Enrico Zuccalli (Architekt der Münchner Theatinerkirche), der Vorarlberger Christian Thumb und der Herzoglich Württembergische Hofbaudirektor Donato Giuseppe Frisoni.
Inneres Das Innere macht mit seinen Ausmaßen, der plastischen Gestaltung und der Illusionsmalerei einen überaus imposanten Eindruck. Mächtige Wandpfeiler teilen das Langhaus in Joche und stützen die durch Gurtbögen abgeteilten Hängekuppeln. Zwischen ihnen liegen konkav eingezogene Emporen, eine Idee von Frisoni, die der machtvollen Geradlinigkeit des Raums eine elegante, weiche Note gegenüberstellt. Dominant ist der auf den Hauptaltar ausgerichtete Längenzug, wie er sich beim Eintreten aus der Vorhalle bietet. Doch auch Elemente des Zentralbaus flössen in den Plan ein, wie man in der von einer 67 m hohen Kuppel überwölbten Vierung erkennt. Sie liegt etwa auf der Mitte der Längsachse; die Querarme sind wie die Apsiden im Osten und Westen halbrund geschlossen. Insgesamt gilt der Raum, mit der klaren Domi¬nanz der Architektur und den etwas steifen, italienisierenden Pracht und Eleganz der Formen, als konservativ-hoch- Weingartner Basilika barock. Die farbenprächtigen Fresken in den Gewölben schuf Cosmas Damian Asam 1718-1720, ein Auftrag, der seinen Durchbruch als Kirchenmaler markiert: Im Westen über der Orgel die Geburt Christi, gefolgt von der Verherrlichung der Hl.-Blut-Reliquie, der Vision des hl. Benedikt und der Himmelfahrt Mariens. Die große Kuppel nimmt der »Triumph der Kirche« ein, mit einer unübersehbaren Zahl von Engeln und Heiligen, im Mittelpunkt die zwölf Apostel und die Trinität. Die Flachkuppel über dem Mönchschor zeigt die Ausgießung des Hl. Geistes (Pfingsten), über dem Hochaltar sieht man die Anbetung des Gotteslamms. Den feinen Stuck gestaltete der Wessobrunner Franz Schmu- zer mit Bandelwerk, Ranken, Rosetten und Muscheln. Weitere herausragende Stücke der Ausstattung sind der prachtvolle Hochaltar und die Querschiffaltäre nach Entwürfen von Frisoni, die Altarplastiken von Diego Carlone, die Altargemälde von Giulio Benso (um 1635), Carlo Carlone und Franz Joseph Spiegler, das prunkvolle, perspektivisch wirkende Chorgitter (1732), das reich geschnitzte Chorgestühl von Joseph Anton Feichtmayr sowie die Rokokokanzel (1762) von Fidelis Sporer aus Weingarten. Im nördlichen Querschiff ist seit 1715 die Welfengruft zu finden (Umgestaltung 1860), die einen Sarkophag mit den Resten von neun Mitgliedern des Geschlechts von 990 bis 1126 enthält. Am Choreingang steht der Heilig-Blut- Altar, auf dem die Heilig-Blut-Reliquie aufbewahrt wird: angeblich Blut aus der Seitenwunde Christi, vermischt mit Erde von Golgatha.
Eine eigene Würdigung verdient die Orgel der Basilika, 1737-1750 geschaffen von Joseph Gabler aus Ochsenhausen, die zu den schönsten und größten Barockorgeln Europas gehört. Mit ihren 6890 Pfei¬fen und 77 Registern hat sie einen einzigartigen Klang. Im Register La Force beispielsweise erklingt der Ton C auf nicht weniger als 49 Pfeifen; Glocken sind ebenso zu hören wie die menschliche Stimme (Vox humana), Kuckuck und Nachtigall. Ein Konzert ist ein unver-gessliches Erlebnis (rundreise vietnam kambodscha): Mai-Okt. »Sonntagsmusik« um 12.00 und 15.00 Uhr, dazu kommen größere Konzerte (Tel. 07 51 / 4 05-232).
Im 1621 erbauten Kornhaus in der Stadtmitte (Karlstr. 28) ist das Alamannenmuseum untergebracht, das größte seiner Art in Deutschland. Es zeigt die Funde aus einem westlich von Weingarten entdeck- ten Gräberfeld der Merowingerzeit (5.-8. Jh. n. Chr.), v. a. Skelette und kostbare, hervorragend gestaltete Grabbeigaben (geöffnet Di. Bis So. 15.00-17.00, Do. bis 18.00 Uhr). Im repräsentativen Schlössle aus dem 16. Jh. (Scherzachstr. 1), dem ehemaligen Landrichterhaus, stellt das Stadtmuseum die Geschichte Weingartens und des Klosters anschaulich dar (geöffnet Di.-So. 14.00-17.00 Uhr, Do. bis 18.00 Uhr). Zur Versorgung des Klosters mit Wasser legten die Mönche im Mittelalter ein Kanalsystem an, eines der ältesten in Deutschland.
Der wasserbauhistorische Wanderweg Stiller Bach, der zum Rößler Weiher östlich von Weingarten hinausführt, erläutert das aufwendige, hervorragend geplante System (Führer beim Tourismusbüro).

 

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