Reiseziele in Allgäu (Teil 13)

Memmingen
Memmingen, Hauptort des Unterallgäus und bedeutender Wirtschaftsstandort, war einst eine betuchte Freie Reichsstadt. Eine reizvolle Altstadt und große Kunstschätze, auch in der Umgebung – mit der Kartause Buxheim und dem Benediktinerkloster Ottobeuren -, lohnen den Besuch.
Schon 1506 schickte die Memminger Handelsgesellschaft, im Verein mit den Augsburger Weisem, Schiffe nach Übersee. In dem Flecken an der Kreuzung der Straße von Ulm zum Fernpass und der ost¬westlich verlaufenden Salzstraße hatte Herzog Welf VI. um 1160 eine Burg errichtet. 1268 erhielt er das Stadtrecht und 1438 die Privilegien der Freien Reichsstadt. Der Handel mit lcbens- und kriegswichtigen Gütern – Leder, Eisen, Stoffe, Wein, Salz, Gewürze etc. – machte die Stadt reich; 1347 erzwangen die Handwerker die paritätische Besetzung des Rats durch Patrizier und Zünftler. 1525, im Schwäbischen Bauernkrieg, verabschiedeten die Bauern hier die »Zwölf Artikel«, eine gemäßigte Charta von Menschenrechten, die u. a. die Aufhebung der Leibeigenschaft, des Zehnten und der Frondienste forderte.
Der Dreißigjährige Krieg brachte Hunger und Elend; das katholische Heer unter Wallenstein hielt sich 1630 vier Monate in der Stadt auf (woran mit dem Wallensteinfest alle vier Jahre erinnert wird), 1632 folgte sein Kontrahent, der Protestantenführer König Gustav Adolf von Schweden. Heute ist das wirtschaftsstarke Memmingen Sitz großer Speditionen und bedeutender Industrie, v. a. Maschinenbau,
Elektronik, Wellpappe und Fahrräder, dazu des Weltmarktführers in Gelatine (Gelita AG). Aber auch die Kulturszene muss sich nicht verstecken, mit dem Landestheater Schwaben, dem PIK (Parterretheater im Künerhaus) und dem Jazz Art Memmingen; die moderne Stadthalle und die Eissporthalle sind Rahmen für Opern und Klassik, für Musical und Popkonzerte.

Memmingen in Allgaeu

Sehenswertes in Memmingen
Was für ein Bild muss das gewesen sein: Im 16. Jh. umgab eine 4 km Marktplatz lange Mauer mit nicht weniger als 37 Türmen und Toren die Stadt.
Von der Stadtmauer sind im Westen noch 2,5 km erhalten, von den Toren nur fünf: Ulmer Tor, Westertor, Lindauer Tor, Kempter Tor und Einlaßtor. Im Norden der Altstadt liegt der schöne »schwäbische« Marktplatz, das repräsentative Zentrum der Freien Reichsstadt.
Dienstags und samstags wird hier Markt gehalten, hier treffen sich die Bürger zum Stadtfest, zum Kinderfest und Fischertag. Das prachtvolle Renaissance-Rathaus von 1589 erhielt seinen Rokokoschmuck 1765; links schließt sich das lange Steuerhaus mit Arkaden an (15./16. Jh., Fassadengestaltung 1909) und rechts die Großzunft (1719, Vorgängerbau 15. Jh.), einst Versammlungs- und Ballhaus der Patrizier, heute von der Stadtverwaltung genützt.

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Vom Marktplatz führt die von Laubengängen gesäumte Zangmeister- Straße, die älteste Handelsstraße der Weifenstadt (mit dem Laden der renommierten Confiserie Heilemann), zur Stadtpfarrkirche St. Mar¬tin. Gegenüber deren Chor steht der Hermansbau, ein spätbarocker Palazzo, erstellt 1765/1766 für den im Venedighandel reich gewordenen Kaufmann Benedikt von Herman(n). In den original ausgestat¬teten, prächtigen Räumen illustriert das Stadtmuseum die Geschichte Memmingens und der sudetendeutschen Patenstadt Freudenthal (geöffnet Mai-Okt. Di.-Fr., So. 10.00-12.00, 14.00-16.00 Uhr). ©

Die evangelische Stadtpfarrkirche St. Martin ist eine mächtige Basili¬ka aus der Spätgotik. An ihr wurde über hundert Jahre gebaut, vom 14. Jh. bis 1500, als der Chor nach Plänen des Ulmer Münsterbaumeisters Matthäus ßöblinger fertiggestellt wurde; Erweiterungen und Umgestaltungen folgten. In der Reformation, 1531, wurde die Bilderausstattung fast ganz zerstört. Der größte Schatz der Kirche ist das grandiose Chorgestühl, an dem mehrere Memminger Meister von 1501 bis 1507 arbeiteten. Die 22 lebensvollen Figuren an den Wangen porträtieren Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Die beeindruckenden Wandmalereien, vor und nach der Reformation entstanden, sind ein wichtiges Zeugnis der Memminger Malschule, besonders der Familie Strigel. Die Kirche ist zugänglich in April 11.00-14.00, in Mai-Sept.
10.00-17.00, 1.-15. Okt. 10.00 bis 16.00 Uhr. In Konzerten kann man die moderne Orgel erleben (Goll/Luzern, 1998). Der 66 m ho¬he Turm, ein Wahrzeichen der Stadt, ist von Mai bis Okt. um
15.00 Uhr zu zu ersteigen und bietet einen prachtvollen Ausblick über Stadt und Umgebung. Danach lädt nebenan in der Zangmeis- terstraße die nette Memminger Kaffeestub’ zur Pause.
Südlich von St. Martin liegt der hübsche Martin-Luther-Platz, das geistliche Zentrum der Stadt, mit der Antonierkirche. Die Antoniter waren im Mittelalter ein bedeutender Bettelorden – Ende des 15. Jh.s betrieb er etwa 370 Spitäler in Europa -, der sich der am »Fleiligen Feuer« Erkrankten annahm: einer Vergiftung mit Mutterkorn, einem Pilz, der das Brotgetreide befiel. Die Antonierkirche, seit dem 16. Jh. evangelische Kinderlehrkirche, wurde 1378- 1512 erbaut (nicht zugänglich). Das Nordportal schmückt ein Werk von Bernhard Strigel (um 1520): die Kreuzigung Jesu sowie Szenen aus der Legende des hl. Antonius Eremita; links ist ein am Antoniusfeuer Erkrankter mit amputiertem Bein dargestellt. Westlich am Platz das stattliche vier- flügclige Antonierhaus (Spital) aus dem 15. Jh., in dem außer der Stadtbibliothek zwei Museen ansässig sind: das Antonitermuseum und das Strigel-Museum (geöffnet Di.-Sa. 10.00-12.00, 14.00 bis 16.00, So. 10.00- 16.00 Uhr). Letzteres ist der berühmten Memmin- ger Künstlerdynastie Strigel gewidmet, die im 15./16. Jh. die süd- deutsche Malerei und Bildhauerei prägte: Hans Strigel d. Ä. (geb. um 1400), seine Söhne Hans d. J. und Ivo (1430-1516) sowie, der bedeutendste, der Enkel Bernhard Strigel (um 1465-1528), der v. a. als Porträtist Berühmtheit erlangte. Im atmosphärereichen Innenhof kann man sich bei vorzüglichem Kuchen aus dem Cafe Kunz laben.

MEMMINGEN ERLEBEN
AUSKUNFT
Stadtinformation
Marktplatz 3, 87700 Memmingen
Tel. (0 83 31) 85 01 72
www.memmingen.de
Gemeindeamt Buxheim Kirchplatz 2, Buxheim Tel. (0 83 31) 97 70-0 www.buxheim.de www.heimatdienst-buxheim.de
Touristikamt Ottobeuren Marktplatz 14, 87724 Ottobeuren Tel. (0 83 32) 92 19 50 www.ottobeuren.de
ALLGÄU AIRPORT
3 km östlich von Memmingen Bus 2 zum Bahnhof Memmingen Tel. (0 83 31) 98 42 00-0 www.allgaeu-airport.de
FESTE UND EVENTS
Memmingen: 2. Mai-Hälfte Bayerische Theatertage. Mai/Juni: Memminger Meile (Kulturfestival). Stadtfest um den 10. Juni, um den 20. Juli Kinder¬fest (Do.) und Fischertag (Sa.). Ende Juli: Wallensteinfest (alle 4 Jahre, wieder 2008).
Ottobeuren: Mai-Okt. Konzerte im Kloster (Karten beim Touristikamt Ottobeuren).
ESSEN
Erschwinglich / Preiswert
® Weinstube Weber am Bach
Memmingen, Untere Bachgasse 2 Tel. (0 83 31) 24 14 Gutbürgerliches, recht gediegenes Restaurant mit schwäbisch-Allgäuer Küche. Kein Ruhetag.
© Zum Goldenen Löwen
Memmingen, Schrannenplatz 2 Tel. (0 83 31) 52 90, Mo. geschlossen Der über 500 Jahre alten Goldene Löwen gilt als schönste Weinstube Memmingens. Ab 18 Uhr geöffnet.
Preiswert
© Zur Krone
Kronburg, Hauptstr. 17 Tel. (0 83 94) 2 37, Mo./Di. geschl. Solider Brauereigasthof, schon 1576 erwähnt und seit 1891 in Familien¬besitz. Wohltuend schlichte Gaststube und Biergarten mit schönem Ausblick über den Illerwinkel. Am 1. Advent wird der Bock angestochen, den es bis in den Mai gibt; im Sommer erfrischt das naturtrübe Zwickelbier.
ÜBERNACHTEN
Komfortabel
© Weißes Ross
Memmingen, Salzstr. 12 Tel. (0 83 31) 9 36-0
wrvw.weissesross.de Gehobenes Hotel in einem stattlichen Haus aus dem 15. Jahrhundert. Die Gastzimmer sind antik bzw. rustikal gestaltet. Man speist im klassischen Restaurant, in wunderbaren Gewöl¬ben oder auf der stimmungsvollen Terrasse.
► Günstig
© Landgasthof Weiherhaus
Buxheim, Am Weiherhaus 13 Tel. (0 83 31) 7 21 23 Südlich von Buxheim am Weiher gelegener, familiengeführter Gasthof mit über 400-jähriger Geschichte. Die Zimmer sind angenehm schlicht¬modern, die Gaststube gemütlich. Man ist stolz auf die besonders große Auswahl an Maultaschen.
@ Zum Mohren
Ottobeuren, Marktplatz 1 Tel. (0 83 32) 92 13-0 www.gasthof-mohren.de Der Gasthof ist über 400 Jahre alt, die Zimmer modern. Die Küche bietet bayerisch-allgäuer Schmankerln wie Krautkrapfen oder Spanferkel in Bockbiersauce.
© Schloss Kronburg
Burgstraße 1, 87758 Kronburg Tel. (0 83 94) 2 71 www.schloss-kronburg.de Fast herrschaftlich, aber zu bürger¬lichen Preisen wohnt man in den modernen, edel ausgestatteten Appartements im Gästehaus des Schlosses südlich von Memmingen.
Die Fugger hatten auch in Memmingen eine Niederlassung: einen mächtigen Vierflügelbau, den Jakob Fugger bis 1591 erstellen ließ. 1630 nahm Wallenstein hier Quartier, 1632 König Gustav Adolf. Nur der Innenhof ist zugänglich, da in Privatbesitz.
Die Kreuzherrenkirche, einst eine zweischiffige gotische Spitalkirche, bekam 1709 ihren großartigen Wessobrunner Stuck, der die Gewölbe wie eine Spitzendecke überzieht. Sie wird als Konzert- und Ausstel¬lungsraum genützt (geöffnet April-Okt. Di.-So. 14.00-17.00, Sa. auch 10.00-12.30 Uhr; mit Cafe). Am Weinmarkt stehen etliche schöne Zunfthäuser, in der Kramerzunft (Nr. 15) wurden die »Zwölf Artikel« des Bauernkriegs verfasst. Das Stadttheater, bis 1802 Zeug-haus, ist Heimat des Landestheaters Schwaben (Spielzeit Sept.-Juni). Das markanteste Haus Memmingens steht am Gerberplatz: das Sie¬bendächerhaus (1601). In seinen vielen luftigen Dachböden hängten die Gerber die Häute zum Trocknen auf. Der Schrannenplatz ent¬stand erst 1951; im 15. Jh. lag hier das Zentrum des Getreidehandels. Das den Platz dominierende Verlagshaus der Memminger Zeitung ist eine der schwersten Bausünden der Nachkriegszeit.
Die erst 1891 wiederentdeckten Wandmalereien in der evangelischen Stadtpfarrkirche Unser Frauen (15. Jh.) in der südlichen Altstadt, geschaffen 1456-1460 von Hans Strigel d. J., zählten zu den bedeu¬tendsten der Zeit in Süddeutschland; zu beachten sind auch die Vor- hallen-Fresken von Hans Strigel d. Ä. und die zauberhafte »Hawan- ger Madonna« von Ivo Strigel (um 1500) links des Chorbogens.
Das Königlich Bayerische Postamt von 1901 am Bahnhof (Bahn- hofstr. 1) fungiert heute als Mewo Kunsthalle (geöffnet Di-So. 10.00 -16.00 Uhr); außer hervorragenden Wechselausstellungen sind hier Werke von Max Unold (1885-1964), einem interessanten Ver-treter der Neuen Sachlichkeit, und Josef Madlener (1881-1967) zu sehen. Letzterer lebte und arbeitete in seinem Geburtsort Amendingen bei Memmingen. Nachdem bekannt wurde, dass J. R. R. Tolkien den Gandalf im »Herrn der Ringe« nach einem Bild Madleners ge¬staltete, wird der romantisierende Landschafts-  (mekong flussfahrten) und Naturmaler gegenwärtig »wiederentdeckt«. Bilder von Max Unold werden auch im Parishaus (Ulmer Str. 9) präsentiert, einem schönen Rokokohaus von 1736 (geöffnet Mi. 15.00- 17.00, Sa./So. 10.00-12.00 Uhr).
Am südöstlichen Stadtrand ist das Benninger Ried interessant, welt¬weit einziger Standort der Riednelke, die von Mai bis in den Hochsommer hinein blüht. Einen Blick wert ist auch die Ricdkapelle (Kapelle zum Hochwürdigen Gut, 17. Jh.), deren Vorgängerbau (1218) durch ein angebliches Hostienwunder veranlasst wurde.
Der ehemalige Bundeswehr-Fliegerhorst in Memmingerberg (östlich von Memmingen) ist zum Verkehrsflugplatz mutiert. Die TUI nützt ihn für Ferienflüge, außerdem ist er im Linienverkehr von Berlin und Hamburg aus zu erreichen. Interessierte Gruppen ab 5 Personen können ihn im Rahmen einer Führung besichtigen; Anmeldung mindestens 2 Wochen vorher unter Tel. (0 83 31) 98 42 00-105.

Baedeker TIPP
Stadtbach und Fischertag
Memmingens »Schlagader« fließt durch die ganze Altstadt: In früheren Zeiten nutzten Handwerker in vielfältiger Weise das Wasser des Stadtbachs, heute säumen ihn nette Läden, Weinstuben und Cafes. Am letzten Samstag vor den Sommerferien wird er beim Fischertag leergefischt – das älteste und größte Spektakel im Kalender der Stadt. Morgens um acht »jucken« tausend männliche Memminger ins Wasser, und wer die größte Forelle erwischt, wird Fischerkönig. Das Fest beginnt aber schon am Abend vorher und dauert am Samstag mit allerhand Kurzweil bis zum Feuerwerk um 23 Uhr.

WUSSTEN SIE SCHON …
Graf Hugo verkaufte das Buxheimer Chorgestühl 1883 zu einem Spottpreis nach Holland. Dann kam es nach London in den Besitz des Direktors der Bank of England. Dieser wiederum schenkte es einem Hospital, das in den 1960er Jahren in die Grafschaft Kent verlegt wurde. Auf dieser Odyssee wurde es mehrfach zersägt, um es den Örtlichkeiten anzupassen, und sogar schwarz lackiert. 1980 konnte der Bezirk Oberschwaben das Gestühl zurückkaufen. Nach langwieriger Restauration zeigt es sich wieder in alter Pracht.

Umgebung von Memmingen
Der westliche Vorort Buxheim (3000 Einw.) besitzt mit dem ehemaligen Kartäuserkloster ein besonderes Kleinod. Die Kartäuser, im Jahr 1084 durch den hl. Bruno von Köln gegründet (Grande Chartreuse bei Grenoble), sind ein kontemplativer Orden, dessen Mönche fast wie Einsiedler unter strengem Schweigen in kargen Zellen leben. Das im 13. Jh. gegründete Buxheimer Chorherrenstift ging 1402 an die Kartäuser, 1548 wurde die Kartause (als einzige) reichsunmittelbar. Nach der Säkularisation kam es in den Besitz der Grafen Waldbott-Bassenheim, die noch im selben Jahrhundert etliche Kunstschätze verkaufte, um ihre hohen Schulden loszuwerden. Seit 1926 ist die heiter und freundlich wirkende Anlage im Besitz der Salesianer, die hier eine bekannte Internatsschule führen. Einige der Zellen sind als Museum zugänglich; hier wird auch die Geschichte des Ordens und des Orts dargestellt. Der Große Kreuzgang durchquerte die Klosterkirche und teilte sie in Mönchschor und Brüderkirche. In Ersterem steht das überwältigende Chorgestühl – das schönste in Süddeutschland -, das der Tiroler Ignaz Waibel von 1684 bis 1689 schuf. Außer überschwenglichen Schmuckformen sind es ausdrucksstarke Figuren von Aposteln, Heiligen und Ordensstiftern, Dämonen und Propheten, die zum genauen Schauen verführen. Auch sonst ist die Kirche eine Augenweide. Ihre Baugeschichte umfasst drei Hauptphasen: Mönchschor
(um 1300) und Langhaus (ab 1402), Umbau und Barockisierung 1680- 1712 mit Stuck und Fresken von den berühmten Brüdern Johann Baptist und Dominikus Zimmermann, 1957 Entfernung des Kreuzgangteils in der Kirche. Dominikus Zimmermann gestaltete ab 1738 auch die Anna-Kapelle um, ein zauber¬haftes Rokoko-Kleinod mit ungewöhnlicher, detailreicher Architektur. Kartause und Kirche sind zugänglich April -Okt. tägl. 10.00-12.00, 14.00 bis 17.00 Uhr (Einlass bis 30 Min. vor Schließung), Nov.-März nur in Führungen (Tel. 0 83 31 / 6 18 04).
Die ans Kloster gebaute Pfarrkirche St. Peter und Paul, ein Werk von Dominikus Zimmermann (ab 1725), ist mit Fresken des fürstkempti¬schen Hofmalers F. G. Hermann und Statuen des Füsseners Anton Sturm ausgestattet; besonders wertvoll ist die berühmte Buxheimer Madonna, eine überlebensgroße gotische Muttergottes aus Terrakotta im sog. Weichen Stil (um 1430). Südlich des Orts kann man am Bux¬heimer Weiher relaxen (mit Strandbad, Restaurant Seegarten und Cafe Wiesengrund beim Campingplatz).
Kunstfreunde sollten von Buxheim aus den Ausflug nach Rot an der Rot und Ochsenhausen nicht auslassen, deren Klöster zu den großen Schätzen der Oberschwäbischen Barockstraße zählen.
Der malerische Illerwinkel südlich von Memmingen wartet mit einer Reihe sehens- und erlebenswerter Dinge auf. In Kronburg thront ein imposantes Renaissance-Schloss auf seinem Berg, vom Vorplatz hat man einen schönen Ausblick über die Allgäuer Hügellandschaft bis zu den Alpen. Baron bzw. Baronin von Vequel-Westernach führen Gäste persönlich durch ihr Reich, zwischen Mai und Okt. gibt es Konzerte (Auskunft ►S. 237). Die Dreifaltigkeitskirche im Dorf, ein Renaissancebau von 1583, erhielt 1786/1787 ihre vornehme klassizis¬tische Ausstattung (Stuck vermutlich von Franz Xaver Feichtmayr).
Auf der Iller zwischen Wagsberg und Maria Steinbach (s. u.) versieht der Fischer-Sepp seit vielen Jahren den Fährbetrieb (Anmeldung ist nötig, Tel. 0 83 94 / 6 65 ab 18 Uhr).
Im westlich von Kronburg gelegenen Illerbeuren entführt das Schwäbische Bauernhofmuseum mit über 30 liebevoll restaurierten Häu- sern aus dem 16.-19. Jh. in früheres Landleben (rundreise vietnam kambodscha) (geöffnet April – 15. Okt. Di.-So. 9.00- 18.00, März sowie 16. Okt.-Nov. Di.-So. 10.00 bis 16.00 Uhr, im Winter nur zu Sonderausstellungen; www.bauern hofmuseum.de). Ort und Museum gehen nahtlos ineinander über, so wurde auch der stolze Gromerhof von 1702 Museumsgaststätte (tägl. geöffnet). Sehr schön ist der Gang von Illerbeuren nach Wagsberg; dann mit der Illerfähre übersetzen (s. o.) und hinauf Maria Steinbach, auf dem Wallfahrtsweg und der alten Bahnstrecke zur Illerbrücke und nach Illerbeuren (ca. 2 Std.).
Jenseits der Iller thront die Wallfahrtskirche Maria Steinbach, eines der schönsten Beispiele des bayerisch-schwäbischen Rokokos. Von einem nicht dokumentierten Baumeister 1746-1754 in Anlehnung an Ideen von Dominikus Zimmermann im Vorarlberger Münsterschema errichtet, prunkt der weite, bewegt-festliche Raum mit Stuck und Altären des Wessobrunners Johann Georg Üblher, die Wand- und Altargemälde schuf der Kemptener Franz Georg Hermann. Ein¬zigartig ist die Anlage der beiden Kanzeln, die Üblher einander gegenüber in die Emporen im 3. Joch integrierte. Die Gottesmutter am Chorbogen links ist das verehrte Gnadenbild. Genauer ansehen sollte man sich auch die sehr ausdrucksvollen Putten, so das »Plärr-« und das »Protzengele« zu Füßen des Gnadenbilds. Im Pfarramt kann man ein kleines Wallfahrsmuseum besichtigen (nach Anmeldung un¬ter Tel. 0 83 94 / 92 40).
Legau Im hübschen Dorf Legau wenige Kilometer südlich ist die Firma Rapunzel ansässig, ein bekannter Hersteller und Vermarkter biologischökologischer Lebensmittel. Gruppen können an Führungen teilnehmen, die Kantine ist Mo.-Fr. mittags auch für Gäste offen, und im Laden kann man einkaufen (Tel. 0 83 30 / 529-0, www.rapunzel.de). Am östlichen Ortsrand überrascht die äußerlich schlichte, kleine Wallfahrtskirche Maria Schnee mit verspieltem Rokoko (Wessobrunner Stuck, Mitgliedern der Familie Bader zugeschrieben) und ungewöhnlichen Details: Im doppelten Hochaltar steht oben das Gnaden¬bild, eine spätgotische Muttergottes (um 1520), und Stuckengel scheinen wie Atlanten das flache Langhausgewölbe zu tragen.
Der beliebte Kneippkurort (5200 Einw.) 14 km südlich von Mem- mingen – in dem Sebastian Kneipp sich beim Kaplan Merkle aufs Studium vorbereitete – ist mit Kursanatorien und weiteren Einrichtungen gut ausgestattet. Am nördlichen Ortsrand lädt das idyllische Bad Clevers am kleinen See. Den hübschen Marktplatz zieren Rathaus (1485), Kapelle von 1723, Kriegerdenkmal und Dorflinde.
Das mächtig aufragende Hohe Schloss geht auf die Herren von Grönenbach (13. Jh.) zurück, war 1260-1384 im Besitz des Klosters Kempten, später der Fugger. Im und beim Schloss finden Konzerte, Ausstellungen und Tagungen statt, u. a. die Kulturwochen im Sommer. Vor dem Schloss liegt der reizvolle und interessante Kreislehrgarten mit Bauern-, Rosen- und Kräutergarten. Die ebenfalls erhöht stehende Stiftskirche St.
Philippus und Jakobus geht auf einen romanischen Bau zurück, der in der Spätgotik 1479 zur dreischif- figen Hallenkirche umgebaut, im 18. Jh. barockisiert und 1887 neo¬gotisch überarbeitet wurde. Bemerkenswert sind hier Epitaphien aus dem 15.-18. Jh., v. a. für das Ge-schlecht der Pappenheimer.
Eine abwechslungsreiche Wanderung mit schönen Ausblicken auf die Illerschleifen und die Alpen (ca. 4 Std.): von Grönenbach westlich über Rothmoos nach Rotkreuz
an der Iller, dann südöstlich – vor- Das Gnadenbild in Maria Steinbach bei an der Ruine Rothenstein -nach Manneberg, am Ostrand des
Grönenbacher Walds entlang (mit Pause im Waldcafe, Do. geschlossen) zurück nach Bad Grönenbach. Am Waldcafe und beim nahen Kornhofer Bänkle hat man eine grandiose Aussicht auf die Berge.

 

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