Reiseziele in Allgäu (Teil 14)

Ottobeuren
Ottobeuren (8000 Einw.), 11 km südöstlich von Memmingen in angenehmer Voralpenlandschaft gelegen, ist ein kleiner Kneipp-Kurort der berühmte »Wasserpfarrer« Sebastian Kneipp wurde schließlich hier geboi’en. Überschaubarkeit und Ruhe, interessante kulturelle Veranstaltungen und eine reizvolle Umgebung machen ihn zur Oase, um neue Kraft zu tanken. Den kleinen Marktplatz mit Rathaus und Touristikamt säumen einige alte Häuser. Doch was die meisten Besucher hierherführt, macht der erste Eindruck – besonders wenn man von Osten kommt – überwältigend klar: das gut 230 m lange Benediktinerkloster, der »schwäbische Escorial« (►O D S. 246).

Ottobeuren in Allgaeu
Das Kloster »Uottinburra«, das der Überlieferung nach von dem alemannischen Adligen Silach im Jahr 764 gegründet und mit Mönchen von der Reichenau und von St. Gallen besetzt worden sein soll, erlangte seit Karl dem Großen durch Schenkungen und Privilegien bald große Bedeutung. 1268 wurde es Reichsstift, eines der wohlhabendsten seiner Art. Im 12. Jh., zur Zeit des Humanismus und wieder nach dem Dreißigjährigen Krieg blühten hier Wissenschaft und Bildung (z. B. gelang dem hier tätigen Mathematiker, Physiker und Geodäten Ulrich Schiegg 1784 der erste Ballonstart in Deutschland). 1542 gründeten die schwäbischen Benediktinerklöster die Ot- tobeurer Hochschule, Keimzelle für die Jesuitenuniversität in Dillin-gen und die Benediktineruniversität in Salzburg. Die Bauten wurden immer wieder erneuert und vergrößert, zuletzt ab 1550. Nach dem Dreißigjährigen Krieg plante man einen Neubau, den der selbstbewusste Abt Rupert II. Neß (1710- 1740) begann und Abt Anselm Erb (1740-1767) fertigstellte. Besonders Ersterer scheute keine Kosten, um ein »modernes« und in jeder Hinsicht geordnetes, praktisch angelegtes, aber auch »angenehmes« Stift zu erstellen. Das fand damals keine allgemeine Anerkennung; der Abt von Neresheim rügte, dass Neß die gebotene Bescheidenheit »weit und unzulässig überschreite «dieser tröstete sich jedoch damit, dass er »zur Ehre der hl. Dreifaltigkeit« baue und den Lohn »von dem lieben Gott allein erwarten« müsse. Das 1000-jährige Gründungsjubiläum des Klosters konnte im soeben fertigestellten Bau gefeiert werden. Nach der Säkularisation 1802 nahm das Kloster 1834 die Arbeit mit dem Segen König Ludwigs I. wieder auf (seit 1918 selbstständige Abtei). Heute leben hier gut 20 Benediktiner, die u. a. Schulen und ein Bildungshaus mit einem breiten Angebot für jedermann betreiben.Im Klosterladen werden u. a. Produkte aus eigener Brennerei und Imkerei verkauft, in der Basilika und im Kaisersaal finden Mai-Okt. Konzerte statt, Orgelkonzerte (gratis) März-Nov. Sa. 16.00 Uhr.

Sehen Sie mehr: vietnam kambodscha rundreise | halong bucht vietnam|Croisières sur le Mékong | baie halong terrestre | visa au vietnam | Circuit vietnam13 jours | circuit vietnam cambodge 15 jours
Später als die Konventsgebäude entstand die Kirche (heute Päpstliche Basilika und Pfarrkirche St. Alexander und St. Theodor). Die grundsätzliche Anlage — Nord-Süd-Ausrichtung, Länge, kreuzförmiger Grundriss mit hoher Vierungskuppel in der Mitte – geht auf den Ottobeurer Pater Christoph Vogt zurück; Entwürfe von Andrea Maini, Dominikus Zimmermann, Joseph Schmuzer und J. J. Herkomer wurden verworfen. 1737 wurde der Grundstein gelegt. Unter Abt Anselm Erb modifizierte der Münchner Hofbaudirektor Joseph Eff- ner 1744 die Pläne im Sinn des französischen Klassizismus; 1727 übernahm Simpert Kraemer, ein Schüler Vogts, und 1748 schließlich der große Johann Michael Fischer die Bauleitung, der zuvor Zwiefalten erstellt hatte. Er änderte den Grundriss kaum, interpretierte aber den Raum durch die Verbindung von klarer Ordnung und lebhafter Bewegung völlig neu. Dessen wunderbares Charakteristikum ist die Doppelstruktur. Steht man unter der Eingangsempore, hat man ein machtvolles, tiefgestaffeltes Langhaus vor sich, dessen breitenbetonter Zentralperspektive die Säulen vor den Seitenschiffen (mekong schiffsreisen) und die fres- kierten Kuppeln mit ihren Gurtbögen Rhythmus geben (► S. 54). Je weiter man nach vorn geht – und vollends in der Vierung -, weitet sich aber ein gewaltiges Querhaus, das mit 58,3 m genauso lang ist wie die drei zentralen Joche des Langhauses. Unter der 35,6 m hohen Vierungskuppel erschließt sich der Grundriss als Zentralbau über einem griechischen Kreuz: Vier gleich majestätische Hallen mit rundem Abschluss erstrecken sich in die vier Himmelsrichtungen, und hier, in der Mitte – so schrieb G. Storz – »scheint der Raum im Licht, zugleich aber auch im Überfließen seiner Fülle und Wohlgestalt wahrhaftig zu schweben«. Die uralte, weniger elegante Form der Basilika setzte sich hier noch einmal gegen den modernen längsovalen Zentralraum nach Art Dominikus Zimmermanns durch (des¬sen berühmte Wieskirche wurde ebenfalls 1766 vollendet); die Otto- beurer Kirche gilt daher als Summe des Barocks. Man beachte in diesem Zusammenhang auch das für Fischer typische ununterbroche-ne, undekorierte Gesims zwischen den Wandarkaden und den Gewölben, das den Grundriss nachzeichnet – wie das Weiß der Wandflächen ein Element der Ruhe gegenüber dem rauschhaften Rokoko der prunkvollen Ausstattung. Bis 1766 arbeiteten an ihr hervorragende Künstler aus dem süddeutschen Raum: Stuck von dem Wessobrunner Johann Michael Feichtmayr, Deckenfresken von den Tiroler Brüdern Johann Jakob und Franz Anton Zeiller (die auch die meisten Altarbilder malten), Altäre, Kanzel und Taufgruppe von Feichtmayr mit Skulpturen von Joseph Christian. Das Chorgestühl, eines der großartigsten in Süddeutschland, ist das Werk von Feichtmayr (Entwurf), Martin Hermann aus Villingen (Schreinerarbeiten) und Joseph Christian aus Riedlingen (Skulpturen, Reliefs), die von 1754 bis 1766 daran arbeiteten. Die Orgeln über dem Gestühl schuf Karl Joseph Riepp (►S. 246). Zu beachten sind auch der farbig gefasste romanische Kruzifixus (um 1200), den schon Abt Anselm Erb auf dem Kreuzaltar in der Vierung aufstellen ließ, und die kleine Elderner Madonna von Anfang des 15. Jh.s im Altar des linken Querschiffs. Die Marienorgel auf der Empore ist ein epochemachendes Steinmeyer-Instrument von 1957 (Überarbeitung Klais, 2002); eine ursprünglich geplante mächtige Orgel wurde aus Geldmangel nicht gebaut, weshalb die Nord-In- nenfassade recht schlicht blieb.
Klostergebäude Nicht weniger prachtvoll ausgestattet ist das in 20-jähriger Bauzeit (1711-1731) errichtete Klostergebäude, ein 142 x 128 m großes Geviert mit drei Höfen und als repräsentativer Eingangsfront ge¬stalteter Westseite. Gemäß den ausdrücklich zugrunde gelegten Zielen »Ordnung« und »Zweckmäßigkeit« sind weltliche und geistliche Bereiche angeordnet: Der Mönchskonvent nimmt den Ostflü¬gel und die anstoßenden Querflügel ein, der mittlere Längstrakt enthält die Verwaltung des Reichsstifts und die Repräsentations¬und Wohnräume des Abtes, der Westflügel den Schul- und Internatsbetrieb und die Repräsentationsräume für die vornehmen Gäste des Stifts. Den Plan lieferte auch hier Christoph Vogt. Höhepunkte sind der Bibliotheks-, der Theater- und der Kaisersaal (►S. 246). Das Klostermuseum dokumentiert Bau-, Kunst- und Kulturgeschichte Ottobeurens, außerdem zeigt hier eine Zweigstelle der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen schwäbische Kunstwerke des 14.-18. Jh.s, die meist für das Kloster geschaffen wurden. Öffnungszeiten.
Zu überirdischen Schönheiten führt die Volkssternwarte, die südlich des Ottobeurener Kurparks liegt, u. a. mit einem 60-cm-Spiegelteleskop. Geöffnet Fr. 19.30 Uhr, Info Tel. (0 83 32) 93 60 58.
Oberkammlach Die stattliche Kirche Maria Himmelfahrt (17. Jh.) in Oberkammlach an der Straße nach Memmingen besitzt noch gotische Fresken vom Vorgängerbau und die Oberkammlacher Weihnacht, ein schönes volkstümliches Holzrelief von 1520/1525.
Katzbrui-Mühle Etwa 10 km südwestlich von Mindelheim liegt Katzbrui mit der ältesten funktionsfähigen Mühle Bayerns, einem bedeutenden Zeugnis bäuerlicher Architektur. Sie wird bereits 1539 erwähnt, der heuti- ge Bau entstand um 1660. Der Ständerbohlenbau besitzt ein Legschindeldach, das letzte im schwäbischen Voralpenland. Auch die technische Einrichtung ist erhalten. (Der größere Anbau datiert von 1874.) Doch nicht nur als Kulturdenkmal ist die Mühle ein beliebtes Ausflugsziel, sondern als idyllischer Gasthof am Bach mit alter Stube und Biergarten. Bier, Brot und Geräuchertes werden selbst gemacht (mit Zimmern, Tel. 0 82 69 / 5 75).

 

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply