Reiseziele in Allgäu (Teil 15)

DER »SCHWÄBISCHE ESCORIAL«

Bei der Hauptweihe im Jahr 1766 wurde das Riesenwerk – an dem über 50 Jahre lang gebaut worden war – als ein »schön geziertes Jerusalem« gerühmt. Doch über Monumentalität und Pracht hinaus ist es das einzigartige künstlerische Konzept der Anlage, weshalb die Benediktinerabtei Ottobeuren als Vollendung des barocken Klosterarchitektur in Süddeutschland gilt.

SCHWÄBISCHE ESCORIAL in Allgaeu

Öffnungszeiten:

Kirche: tägl. 9.00 Uhr bis Sonnenuntergang. Führungen April-Okt. Sa. 14.00 Uhr (sonst Anm. Tel. 0 83 32 / 79 80). Orgelkonzerte März-Nov. Sa. 16.00 Uhr (gratis). Klostermuseum: Palm­sonntag-Allerheiligen tägl. 10.00-12.00, 14.00-17.00, sonst 14.00-16.00 Uhr

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® Gesamtanlage

Der Ottobeurer Klosterbruder Christoph Vogt entwarf einen ca. 230 m langen Komplex (Kirche 89 m lang, Kloster 142 m lang, 128 m breit), der aufgrund der Geländeverhältnisse nordsüdlich ausgerichtet ist. Er gilt als Vollendung des »schwäbischen Typs« mit axial vorangestellter Kirche (im Gegensatz zum »Escorial-Typ« mit in den Klosterkomplex einbezogener Kirche wie in Einsiedeln und Weingarten). Diese ist aus der Längsachse des Klosters leicht nach Westen abgewinkelt – in Vollendung der Kreuzsymbolik der ganzen Anlage, so wie das Haupt Christi am Kreuz meist nach links geneigt ist.

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© Nordfassade der Basilika

Zwischen den beiden 82 m hohen Türmen gewährt die konvexe Nordfassade Zugang. Über einem gemaltem Quadersockel wird sie durch vier Dreiviertelsäulen gegliedert. Über dem Hauptpor­tal Inschrift »Haus Gottes und Pforte des Himmels«, über dem Mittelfenster ein hl. Michael von J. M. Feichtmayr (1762), in der Giebelnische schließlich der hl. Benedikt (J. Christian, 1759).

© Deckenfresken

Die Ausmalung der Basilika besorgten die aus Reutte i. T. stammenden Brüder Johann Jakob und Franz Anton Zeiller. Das Bildprogramm steht unter dem großen Thema der Erlösung. Die Langhaus­kuppel zeigt die Glorie des hl. Benedikt und des Benediktinerordens, die Vierungskuppel das Pfingstwunder und die Verehrung der Kirche durch die vier Erdteile, die Chorkuppel die Ver­kündung des Erlösungsplans an die neun Engels­chöre. Über der Eingangsempore ist die Gründung des Klosters Ottobeuren dargestellt, im rechten Querhaus Maria als Fürsprecherin der Christen-heit, im linken das Martyrium der hl. Felicitas und ihrer sieben Söhne. Das beste Licht hat man am frühen Vormittag und spätnachmittags, wenn die Sonne niedrig steht.

© Taufe Christi

An den Pfeilern vor der Vierung prangen rechts die Kanzel und links über dem Taufstein – als fast spiegelbildliches Pendant – eine »Taufe Christi«, beide von J. M. Feichtmayr mit weißen Figuren von J. Christian, die durch Innerlichkeit beein­drucken. Die Ähnlichkeit von Kanzel und Tauf­gruppe betont die Symmetrie des Raums.

© Riepp-Orgeln

Die beiden Orgeln auf dem Chorgestühl – als Vollendung der barocken Orgelbaukunst welt­berühmt – schuf in den Jahren 1757-1766 der aus Eidern bei Ottobeuren stammende Karl Joseph Riepp (1710-1775). Er arbeitete ab 1740 vor allem in Frankreich (u. a. Dijon, Autun, Beaune, Besan;on) und nahm 1747 die französische Staatsbürgerschaft an. Die Dreifaltigkeitsorgel (rechts) hat 49 Register, die Heilig-Geist-Orgel 27 Register; sie verbinden das französische mit dem deutschen Klangbild und sind – als einzige Werke Riepps – in allen Teilen (fast) original erhalten.

© Theatersaal

In barocken Klöstern wurde, als Teil eines umfas­senden Bildungsverständnisses, Theater gespielt, meist selbstgeschriebene Stücke auf Latein. Im 1724/1725 ausgestalteten Theatersaal zeigt das Deckenfresko von F. J. Spiegler Apollo und Athena als Patrone der Tragödie bzw. der Komödie.

© Kaisersaal

Im Kaisersaal, dem prunkvollen Höhepunkt des Repräsentationstrakts, manifestiert sich die welt­liche Rolle Ottobeurens als Reichsstift mit einer Huldigung an die Idee des Kaisertums: Das Deckenbild von Jakob Karl Stauder (1723/1724) stellt die Kaiserkrönung Karls des Großen dar, die 16 überlebensgroßen vergoldeten Statuen der Habsburger-Kaiser schuf 1725-1727 der Füsse- ner Bildhauer Anton Sturm.

Nesselwang • Pfronten

Ein beliebtes Ferienrevier ist das romantisch bucklige, seenreiche Land (rundreise vietnam kambodscha) zwischen dem Grünten und Füssen vor einer eindrucksvollen Bergkulisse.

Von weitem wird der Luftkurort (3500 Einw., 867 m) vom ansehn-liehen Zwiebelturm der Kirche St. Andreas angekündigt. Ihre »baro­cke« Pracht entstand jedoch erst 1904- 1906; die Ausmalung des In­nenraums mit ungewöhnlicher Deckenlösung übernahm W. Kolms- perger. Der Turm stammt noch vom Vorgängerbau, den Johann Schmuzer aus Wessobrunn ab 1682 errichtete. Sonst ist Nesselwang ein Ziel für Bierliebhaber: Von einst fünf Brauereien hält noch die Postbrauerei die Tradition hoch, mit Bierseminaren, Brauereibesich­tigung, Brauereimuseum und Bier­wanderweg. Südlich von Nessel­wang bieten Alpspitz (1575 m) und Edelsberg (1624 m) ein hüb­sches Revier zum Wandern bzw.

Skifahren. Den Aufstieg erleichtert die zweigeteilte Alpspitzbahn. Von der Bergstation (1511 m) braucht man 30 Min. zum Alpspitz (mit Gasthof), 45 Min. zum Edelsberg.

Für den Rückweg nach Nesselwang wählt man am besten den Weg über Kappeier Alp und Maria Trost (► unten, 2 Std.). Von der Mittel­station der Alpspitzbahn kann man auch die 1 km lange Sommer- rodelbahn zum rasanten Abstieg nützen. Die Seender Umgebung, besonders Attlesee und Grünten- see, laden zum Bade (halong bucht); sie sind auch schöne Ziele für Radtouren.

Maria Trost Vom Nesselwanger Ortszentrum, das unter dem Verkehr auf der Durchgangsstraße leidet, geht man in ca. 45 Min. auf dem Kreuzweg zur Wallfahrtskirche Maria Trost (um 1660/1710) in 1122 m Höhe. 1658 wurde ein Muttergottesbild, das bei einem Brand unversehrt geblieben war, aus Niederbayern hierhergebracht; die rege Wallfahrt machte bald den Bau notwendig und möglich (das Original des Gna­denbilds wurde 1732 nach Maria Plain bei Salzburg gebracht). Das Innere der Kapelle überrascht mit geschmack- und qualitätvollem Spätbarock bzw. Rokoko, die westlichen Deckenfresken hat mögli­cherweise F. A. Weiß gemalt (1756- 1759), die »Immaculata« im Emporenjoch schuf der berühmte Matthäus Günther (um 1770).

Maria Rain Nördlich von Nesselwang prunkt die schlichte spätgotische Kirche Maria Rain (1497) mit einer unglaublich reichen Rokoko-Ausstat­tung (um 1760). Auch sie geht auf eine Wallfahrt zurück, die im Mit­telalter um ein Muttergottesbild und eine heilkräftige Quelle ent­stand. Einzigartig ist der Hochaltar, in dem »Aufbauten und Skulptu­ren aus verschiedener Zeit (…) zu einer beeindruckenden Einheit verschmelzen« (Dehio). Die Pfrontener Künstler Peter Hcel, Mang Anton und Joseph Stapf gestalteten einen spätgotischen Altar um, der Hans Kels d. Ä. zugeschrieben wird (1519). Dieselben sind auch für die großartige Kanzel verantwortlich (1762). Sie wird von dem »schönsten Engel des Allgäus« getragen, vermutlich ein Werk des Weilheimers Bartholomäus Steinle. Die Kirche ist 14.00-16.00 Uhr © geöffnet, je nach Jahreszeit auch länger; Auskunft im Pfarramt (Tel.0 83 66 / 14 85). Von der Kirche lässt sich eine schöne Wanderung durchs idyllische Wertachtal unternehmen: Den Fluss auf der ge­deckten Brücke überqueren, dann nördlich (unter der Autobahnbrü­cke durch und wieder über die Wertach) bis zum Bischofstein, über Bachtel und die Lohmühle wieder zurück (8 km, 2.30 Std.). 7 km nördlich von Maria Rain schwingt sich ein abenteuerlicher Hänge­steg über den Fluss (Zugang von Kaltenbrunn).

Pfronten (7300 Einw., 853 m), der größte Kur- und Wintersport- gemeinde des Ostallgäus, besteht aus nicht weniger als 13 Dörfern und Weilern: Pfronten-Steinach, -Dorf, -Berg etc. In Berg steht das weithin sichtbare Wahrzeichen des Orts, die Pfarrkirche St. Nikolaus (1692). Ihren schönen, eleganten Turm von 1749 sehe man sich ge­nauer an: Seine Haube ist diesmal keine Zwiebel, sondern eine kopf­stehende Enzianblüte. Das ausschließlich von Pfrontener Künstlern gestaltete Innere zeigt klassizistische Kühle; die Ausmalung stammt von J. A. Keller (1780). Unterhalb der Kirche ein besonders schöner Bauernhof, ein sog. Ständerbohlenbau, von 1793.

Über Pfronten-Steinach thront in 1267 m Höhe die Ruine Falken- stein, der Rest einer Burg des 11. Jh.s, die ab 1290 dem Augsburger Hochstift gehörte und ab 1803 dem bayerischen Staat. Der »Mär-chenkönig«, Ludwig II., war von dem Platz begeistert und wollte hier eine Burg bauen, die noch größer und prächti­ger werden sollte als Neu­schwanstein. Straße und Was­serleitung wurden bis Endeangelegt, doch sein Todbeendete den hochflie­genden Traum. In einer knap­pen Stunde geht man hinauf (Gäste des Burghotels haben freie Zufahrt) und genießt das fantastische Panorama. Für die herrliche Tour von Füssenzum Falkenstein ► S. 158. Familientauglich ist die Besteigung des Breitenbergs (1838 m) südlich von Pfronten, von dem man einen herrlichen Blick ins Vorland und ins Gebirge hat. Auf den Ostausläu­fer führt von Pfronten-Steinach eine Kabinenbahn (Skigebiet mit Sessel- und Schlepplift). Der südlich benachbarte Aggenstein (1987 m), dessen mächtiger Zacken markant über dem Breitenberg aufragt, verlangt hingegen Trittsicherheit und Schwindelfreiheit (Gesamtgeh­zeit von Steinach und zurück 6.30 Std., bei Auffahrt mit der Breiten­bergbahn 4 Std.). Eine sehr lohnende Variante für den Abstieg nach Steinach ist der Weg durch die Reichenbachklamm.

Ein wenig Ritterromantik lassen die Burgruinen Hohenfreyberg (15. Jh.) und Eisenberg (11./12. Jh.) nordöstlich von Pfronten noch spü­ren. Von Zell – dort vermittelt ein Burgenmuseum Wissenswertes über diese Zeit (geöffnet Sa., So., Fei. 13.00- 16.00) – kann man bei­de in einer kleinen Rund­wanderung (knapp 2 Std.) kennenlernen, die Schloß­bergalm sorgt für verdien­te Rast. In Speiden östlich von Eisenberg sind die Gnadenkapelle Maria Hilf (1636) und die gleichna­mige Wallfahrtskirche (ge­weiht 1678) mit schöner, qualitätvoller Ausstattung sehenswert; nach gutem Brauch gibt’s nebenan ei­ne kleine Brauerei mit ei­nem gutem Gasthaus (Mo. geschl., www.koes sel-braeu.de, Tel. 0 83 64 /85 56).

Das hübsch gelegene Seeg verfügt mit der Pfarrkirche St. Ulrich, er- baut 1701-1711 nach Plänen von J. J. Herkomer (►Füssen, St. Mang), über eine der schönsten Kirchen des Allgäus. Beeindruckend ist das große Deckenfresko mit der Schlacht von Lepanto von Johann Baptist Enderle (1769); das Chorfresko von Balthasar Ricpp (1744) zeigt den Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld. Stuck und Altäre (um 1770/1780) sorgen für das elegante Rokoko-Bild. Das Heimat­museum gibt Einblick in die reiche Allgäuer Kultur. Viehscheid ist in Seeg am 2. September-Samstag. Auf über 140 km markierten Wan­derwegen kann man sich in der Umgebung ergehen. Kaum 2 km sind es zum Schwaltenweiher mit Bad, Bootsverleih und Cafö. Unbe­dingt sollte man die Wanderung zur Alpe Beichelstein unterneh­men und bei gemütlicher Einkehr das herrliche Bergpanorama genie­ßen (5 km südöstlich, 952 m, ganz­jährig bewirtschaftet, Tel. 0 83 64 / 3 97, im Winter Do. geschlossen). Am 2. Samstag im September wird das Vieh zu Tal getrieben.

Baedeker tipp

Gutes aus dem Land (laos kambodscha vietnam)

Im PFAD-laden vermarkten Pfrontener Landwirte ihre sorgfältig hergestellten, naturbelassenen Produkte (Allgäuer Str. 33, Pfronten-Ried, an der Raiffeisen­bank, Tel. 0 83 63 / 92 85 64). Exzellenten Käse macht die Sennerei Lehern bei Hopferau nördlich von Füssen, in Führungen erfahren Sie alles über seine Herstellung (www.sennerei-lehern.de, Tel. 083 62 /5 07 47 68,). Gute Brotzeiten und feine Tagesgerichte serviert dort die »Käsealp« (Di. geschl.).

amele im Allgäu?

lan erlebt keine Fata Morgana, wenn vor der ulisse der Berge Kamele auftauchen. Von den Der zwei Meter hohen Wüstenschiffen kann an das Allgäu aus einer neuen Perspektive ltdecken – ein besonderes Erlebnis auch im inter und für Kinder. Die Farm im Weiler Hack vischen Schwaltenweiher und Attlesee ist !Öffnet April -Sept. 10.00-18.00, Okt. bis i.00 Uhr, Nov.-März Sa./So. 10.00-16.00 Uhr. imeldung für einen Ritt unter Tel. (0 83 69)

06 40; Internet-Info: www.kamelverleih.de.

 

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