Reiseziele in Allgäu (Teil 6)

Kaufbeuren
In der lebhaften Hauptstadt des Ostallgäus werden Geschichte und Tradition hochgehalten: Eine liebevoll gepflegte Altstadt und das berühmte Tänzelfest im Sommer (halong bucht vietnam) ziehen viele Besucher an.
Die kreisfreie Stadt im freundlichen Wertach-Tal – 1126 erstmals und 1240 in der ersten deutschsprachigen Königsurkunde erwähnt — war ab 1286 Freie Reichsstadt, die bis 1301 »Buron«, dann »Kuf- burun« hieß. Die Namensänderung verweist auf die große Bedeutung des Handels; zur wirtschaftlichen Blüte im 15. Jh. trugen auch die Leinenweber und die Waffenschmiede bei. Im 16. Jh. hielt sich Kaiser Maximilian I. insgesamt 14-mal in der Stadt auf. 1839 wurde hier die erste mechanische Baumwollspinnerei des Allgäus gegründet, schon 1847 kam der Anschluss ans Bahnnetz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde für die Vertriebenen aus dem böhmischen Gablonz der Stadtteil Neugablonz gegründet, heute das deutsche Zentrum der Modeschmuckindustrie. Aus Kaufbeuren stammen einige große Namen der deutschen Literatur: Sophie von La Roche, Ludwig Ganghofer (der Verfasser »urbayerischer« Romane war also Schwabe) und Hans Magnus Enzensberger. Der aus Füssen gebürtige Jörg Lederer (1475-1550), einer der bedeutendsten Bildschnitzer der Zeit, arbeitete ab 1503 hier. Im Franziskanerinnenkloster lebte die besonders in der Diözese Augsburg verehrte Nonne und Mystikerin Crescentia (Anna Höß, 1682-1744), die 2001 heiliggesprochen wurde.

See more: Croisière Mékong voyage ninh binh | visa au vietnam | circuit laos cambodge 3 semainescroisière vietnam cambodge 

KAUFBEUREN ERLEBEN
AUSKUNFT
Verkehrsverein Kaiser-Max-Str. 1 87600 Kaufbeuren Tel. (0 83 41) 4 04 05 www.kaufoeuren-tourismus.info
FESTE UND EVENTS
Mitte Juli: Beim 10-tägigen Tänzelfest, dem ältesten Kinderfest Bayerns, spielen Kinder die Stadtgeschichte nach. Ende Oktober: Kaufbeurer Theatertage. Anfang September findet im Kloster Irsee das hochkarätige Musikfestival »Klang & Raum« statt (Tel. 0 83 41 / 90 66 66, www. musikfestival-irsee.de).
ESSEN
► Preiswert / Erschwinglich
® Ristorante Primavera
Kemptener Tor 10 Tel. (0 83 41) 10 04 98 Gehobene italienische Küche in gepflegtem Ambiente. Hervorragende Weinauswahl, Extrakarte für Grappa.
© Irseer Klosterbräu
Klosterring 1 87660 Irsee
Tel. (0 83 41) 4 32 20-0 ivivw.irsee.com, tägl. geöffnet Historischer Brauereigasthof mit ein-drucksvollen Gewölben, schönem Garten und zünftiger Küche. Etwas Besonderes sind die geschmackvoll modernisierten Zimmer hinter dicken Wänden (mittlere Preiskategorie).
ÜBERNACHTEN ► Günstig
© Hotel Hasen
Ganghoferstr. 7 Kaufoeuren
Tel. (0 83 41) 9 66 19-0 Schlichter, angenehmer Gasthof am Ostrand der Altstadt gelegen mit nettem gutbürgerlichen Restaurant.

Sehenswertes in Kaufbeuren
Hauptachse und »gute Stube« der Altstadt ist die großzügige Kaiser- Max-Straße, in der seit dem 13. Jh. (!) donnerstags Markt gehalten wird. Ihren oberen Abschluss bildet das würdevolle Rathaus, das Georg Hauberrisser – der später das Neue Rathaus in München entwarf – von 1879 bis 1881 erbaute. Schräg gegenüber das Haus des Patriziers Hörmann (um 1530) mit Renaissance-Portal. Einen schönen Akzent setzt der Neptunbrunnen (1753) vor der evangelischen Dreifaltigkeitskirche (zugänglich 8.00-18.00 Uhr): Ein Haus aus dem 14. Jh., das Kaiser Maximilian als Quartier diente, wurde ab 1604 – als den Protestanten verboten wurde, die Martinskirche mitzubenutzen – zum Predigtsaal umgebaut; der großzügige Raum mit dreiseitig umlaufender Empore ist auf die Kanzel (1764) ausgerichtet, die großen Gemälde zwischen den Fenstern stammen von dem Augsburger Hans Ulrich Franck (1659). Auf der anderen Seite des Neptunbrunnens, den der Augsburger J. W. Schindel 1753 schuf, steht das Weberhaus, bis 1805 Zunfthaus der wichtigsten Handwerkervereinigung Kaufbeurens (gutes Caferestaurant).
Das Zentrum der Stadt markiert die Kirche St. Martin mit 68 m hohem Turm. Die gotische Basilika (1438-1443) wurde um 1895 neogotisch restauriert und ausgestattet. Von einem romanischen Vorgän- verbau sind v. a. das Südportal, die Rundapsiden unter dem Chor und de Taufstein erhalten. Das bedeutendste Ausstattungsstück ist das Relief »Anbetung der Hl. Drei Könige« des Füsseners Hans Kels d. Ä. (um 1520), das im Wechsel mit dem Relief »Das Wirken des Hl. Geistes« von O. Kobel (1990) im Volksaltar zu sehen ist; bemerkenswert auch die Heiligenfiguren im Chor, die Michael Erhärt zugeschrieben werden (um 1480), und die Apostel Petrus und Johannes an der Südwand (vermutlich von Ivo Strigel, um 1500).
Im Haus Kirchplatz 8 kam 1855 Ludwig Ganghofer zur Welt. In seiner Autobiografie »Lebenslauf eines Optimisten« schildert er auch seine Kindheit in Kaufbeuren.
Vom Salzmarkt führt das malerische Kaisergässchen nach Westen (vietnam kambodscha laos). Im Haus Nr. 12-14 ist das sehr schön ausgestattete Stadtmuseum untergebracht (wegen Umbau geschlossen, die Wiedereröffnung ist für 2011 geplant). Außer der Geschichte von Stadt und Region ist es der Allgäuer Volkskunst und Ludwig Ganghofer gewidmet. Wenige Schritte nördlich liegt das Crescentia-Kloster, in dessen Kapelle die vielerehrten Reliquien der hl. Crescentia ruhen. Das dreiflügelige Gebäude des Franziskanerinnenklosters entstand 1471/1472.
Auf einer Anhöhe im Westen – sie bietet einen schönen Blick über die Stadt – ragt das Wahrzeichen der Stadt auf, der mächtige Fünfknopfturm von 1420 (►Foto S. 58). Ein Teil der Stadtmauer mit überdachtem Wehrgang verbindet ihn mit der Kapelle St. Blasius aus dem 15. Jh. (geöffnet Di. – So. 10.00 – 11.00, 14.00 bis 16.00 Uhr), einem durch Stilreinheit und Harmonie bestechenden dreischiffigen Hallenbau. Ihr großartiger Hauptaltar von Jörg Lederer (1518) gilt als ein Hauptwerk der oberschwäbischen Spätgotik. Außerdem sind die 66 Tafelbilder von Ende des 15. Jh.s (darunter 20 mit teils grausigen Szenen aus dem Leben des hl. Blasius), ein Bildteppich (Hl. Blasius mit Vögeln und wilden Tieren) von Anfang das 16. Jhs. und ein Baumkreuz aus dem 14. Jh. bedeutend.
In einem vor das mächtige Tänzelfesthaus gestellten, ästhetisch nicht gerade berauschenden Betongebäude zeigt das Kunsthaus in Wech- selausstellungen moderne und zeitgenössische Werke. Geöffnet Di. bis Fr. 10.00- 17.00, Do. bis 20.00 Uhr, Sa./So. ab 11.00 Uhr.
Umgebung von Kaufbeuren
Auf dem einstigen Gelände der Dynamit AG nordöstlich von Kauf- beuren entstand nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Stadt für 18 000 Menschen, die aus Gablonz im Sudetenland (heute Jablonec) vertrieben wurden. Obwohl später viele wieder abwanderten, werden in Neugablonz noch die alten Traditionen gepflegt, der Dialekt ist durchaus noch zu hören. Gablonz war ein Zentrum der Modeschmuck- und Glasherstellung gewesen, eine Rolle, die auf Neugablonz überging. Trotz billiger asiatischer Konkurrenz sind immer noch über 100 Firmen »im Geschäft«. Im Kulturzentrum Gablonzer Haus (Marktgasse 8) gibt das Isergebirgs-Museum Einblick in die 400-jährige Kultur- und Industriegeschichte des Isergebirges und den Neubeginn nach der Vertreibung (geöffnet Di.-So. 14.00-17.00 Uhr). Das einstige Feuerwehrhaus der Dynamit AG (Neue Zeile 11) ist heute Haus der Gablonzer Industrie mit Schmuckausstellung und Verkauf (geöffnet Mo.-Do. 8.00-12.00, 13.30- 17.00, Fr. 8.00 bis 12.00 Uhr). Hier erfährt man auch, wolrhe Firmen Werksfuhrungen Der kleine Marktort nordwestlich von Kaufbeuren – in dem sich einige Kunsthandwerker niedergelassen haben – ist berühmt für sein einstiges Benediktinerkloster, das 1182 aus einer Einsiedelei hervorsring. Seit dem Mittelalter entwickelte es sich durch zahlreiche Schenkungen zum Zentrum einer eigenen Herrschaft, die 1521 zur Reichsabtei wurde (1802 aufgehoben). Von der Basilika des 13. Jh.s sind nur einige Teile der Ausstattung erhalten.
Die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt wurde 1699-1702 unter Franz Beer von Bleichten aus Au im Bregenzerwald erbaut, einem der bedeutendsten Barockbaumeister; innen zeigt sie das reine Schema der Vorarlberger Wandpfeilerhalle mit Emporen (►S. 62). Urheber des wunderbaren weißen Stucks war der erst 20-jährige Wessobrunner Joseph Schmuzer; die Figuren in den prachtvollen Altären schuf um 1725 der Türkheimer Ignaz Hillenbrand, ebenso die einzigartige Kanzel: ein Schiffsbug, den Schalldeckel bildet ein blaues Segel mit Mast, Wanten und Mastkorb. Eine Kostbarkeit sind auch die neun »Fastentücher« aus dem 18. Jh. mit Szenen aus der Passion Christi, mit denen früher in der Fastenzeit die Altäre verhängt wurden.
Großartig gestaltet sind auch die Klostergebäude. Höhepunkt ist das Treppenhaus im Westflügel mit zartfarbigem Stuck (um 1730), der zu den besten Zeugnissen der Wessobrunner Schule zählt (zugänglich).
Im Konvent ist die Schwabenakademie ansässig, ein Bildungszentrum des Regierungsbezirks Schwaben mit großem, interessantem Angebot (Tel. 0 83 41 / 9 06-661, www.schwabenakademie.de).
In Kirche und Festsaal finden ganzjährig Konzerte statt.
Nach so viel Kultur ist ein Besuch im Klosterbräu und im Brauereimuseum angezeigt. Wer Irsee zu Fuß besuchen will, hat von Kaufbeuren zwei schöne Möglichkeiten: auf dem beschilderten Crescentia-Pilgerweg über Bickenried (1.30 Std.) oder weiter nördlich durch den Staffelwald (gut 2 Std.).
ln Stöttwang 5 km östlich von Kaufbeuren überrascht die prachtvoll ausgestattete Kirche St. Gordian und Epimachus (1745). Schon zu Beginn des 9. Jh.s existierte hier ein Reichskloster, das 831 von der Abtei Kempten übernommen wurde. Stuck und Kanzel sind das Werk von Franz Xaver Feichtmayr, Franz Georg Hermann schuf die fantastische Scheinarchitektur des Langhaus-Deckenfreskos. Placidus Verhelst zeichnet für den Hochaltar verantwortlich (1763); sein Vater Ägidius, der u. a. für seine Figuren in der Wieskirche bekannt ist, schnitzte den Kruzifixus (1745).

Sehen Sie mehr: mekong kreuzfahrt | mekong flussreisen

Baedeker TIPP
Dampflokrunde
Eine schöne Möglichkeit, das Ostallgäu kennenzulernen, ist der ca. 80 km lange Rad-Rundwanderweg zwischen Kaufbeuren und Lechbruck, der zu großen Teilen auf den Dämmen stillgelegter Bahnstrecken verläuft – also nur mit sanften Steigungen. Auskunft geben die lokalen Verkehrsbüros und der Tourismusverband Ostallgäu.
WUSSTEN SIE SCHON …
Die in Kempten ansässige Süddeutsche Butter¬und Käsebörse wurde 1921 von dem legendären Oberbürgermeister Dr. Otto Merkt (Amtszeit 1919-1942) gegründet. Erzeuger und Handelsfirmen in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen melden wöchentlich, wieviel sie von welchem Produkt zu welchem Preis verkauft haben. Damit haben alle Beteiligten eine objektive Grundlage dafür, wie sie ihre weitere Preisgestaltung handhaben. formationen

 

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply