Wangen in Allgäu

Einst Freie Reichsstadt, heute Hauptort des württembergischen All¬gäus und Luftkurort: Wangen lockt mit seiner unter Denkmalschutz stehenden Altstadt – einer der schönsten in Süddeutschland – und der sanfthügeligen Umgebung des Westallgäus.
»In Wangen bleibt man hangen«, dieser vielzitierte Spruch ist sogar im Kopfsteinpflaster der Fußgängerzone stolz in Bronze festgehalten.
In der Tat sollte man sich Zeit nehmen, die liebevoll restaurierte Alt¬stadt mit gotischen Staffelgiebeln, üppigen Barockfassaden, pracht¬vollen, goldglänzenden Wirtshausschildern und blumengeschmück¬ten Erkern auf sich wirken zu lassen. Nicht weniger reizvoll ist die Umgebung Wangens, ein buckliges Moränenland mit kleinen Wäldern und feuchten Niederungen, in das sich die Obere und die Unte¬re Argen windungsreich eingegraben haben.

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Erstmals wird Wangen in einer Urkunde des Klosters St. Gallen, da- rnals der größte Grundbesitzer der Gegend, im Jahr 815 als Stiftsgut »ze den wangun« erwähnt, d. h. »in den Wiesen«. Gemäß einer Ur¬kunde Kaiser Friedrichs II. von 1217 muß es damals schon Stadt ge-wesen sein, und 1268 bestätigte Rudolf I. von Habsburg den Status als Freie Reichsstadt. Seit dem 13. Jh. besitzt Wangen das Marktrecht, und seit 1330 (!) wird der große Wochenmarkt am Mittwoch abge¬halten. Bis ins 17. Jh. dauerte die Blüte durch die Leinenweberei und das Schmiedehandwerk – berühmt waren die Sensen aus Wangen -, die ihre Produkte bis nach Italien und Spanien verkauften. 1539 fiel fast die ganze Oberstadt einem Feuer zum Opfer, 1793 und 1858 traf es die Unterstadt. Nach kurzer bayerischer Episode ab 1802 wurde die Stadt 1810 württembergisch. Die Industrialisierung kam spät, mit der Errichtung einer Baumwollspinnerei 1860, dem Eisenbahn¬anschluß 1880 und der Gründung von drei Großkäsereien.

Wangen in Allgaeu

Sehenswertes in Wangen
Das Herz Wangens ist der malerische Marktplatz mit dem Rathaus, der St.-Martins-Kirche und dem Hinderofenhaus. Das Rathaus er- hielt seine würdige Barockfassade beim Umbau 1719—1721 nach Plänen des Bregenzers Franz Anton Kuen; die Teile zur Unterstadt hin enthalten aber noch Bausubstanz aus staufischer und spätgoti¬scher Zeit. Im getäfelten Ratssaal hängt eine historische Kostbarkeit, eine Stadtansicht von J. A. Rauch (1611; bei Stadtfuhrungen zugäng- lieh). Das mächtige Hinderofenhaus aus der Renaissance ließ sich der Kaufmann Onofrius Hinderofen 1542 erbauen, der mit Italien Handelsbeziehungen unterhielt. Es beherbergt Stadtverwaltung und Volkshochschule sowie eine Ausstellung von Gemälden des Schlesiers W. von Websky (1895-1992). Sehr nett sitzt man im »Hinderofen Cafö«, vor dem Gebäude oder im kleinen hübschen Innenhof. An der schlichten Stadtkirche St. Martin wurde seit dem 12. Jh. immer wieder gebaut, so dass sie ein buntes Stilgemisch zeigt: flachgedeckte Rundpfeilerbasilika mit frühgotischem Langhaus und hochgotischem Chor (1386); barock sind Kanzel und Seitenaltäre (1777), neogotisch der Hochaltar. Die Decken- und Wandmalerei schuf G. Fugei 1899.
Vom Marktplatz geht nördich die Herrenstraße ab, sicher eine der schönsten Straßen in Deutschland. Teilweise ist noch das spätgoti- sehe Bild mit Treppengiebeln erhalten – beherrschend das Hotel Mohren-Post die meisten Häuser entstanden aber nach dem Stadtbrand 1539. Bemerkenswert sind auch die prachtvollen Wirts¬hausschilder des 19. Jh.s. Den Abschluss der Straße bilden das Ritter¬haus, als Kanzlei des Ritterbezirks Allgäu-Bodensee vom Deutsch- ordens-Baumeister F. A. Bagnato bis 1789 erbaut, und das herrliche Frauentor (Ravensburger Tor), das 1472 erwähnt wird und seine Re¬naissance-Form 1608 erhielt.
Von der Südwestseite des Markts geht die reizvolle Paradiesstraße mit vielen bemalten Fassaden ab. Besonders nett ist die des Cafes Walfisch (feine Torten und Confiserie) mit der Geschichte – eben -von Jonas und dem Walfisch, die man sich genauer ansehen sollte: Verschluckt wird Jonas bärtig und barfuß, ausgespuckt wird er gut ra¬siert und mit neuen Stiefeln; und das Meer ist eher der Bodensee mit Lindau. Das St.-Martins-Tor (Lin- dauer Tor) am Ende der Paradies¬straße wurde wie das Frauentor im Jahr 1608 neu gestaltet. Es hat sei¬nen gotischen Charakter allerdings stärker bewahrt; im Tordurchgang sind Reste der gotischen Bemalung zu sehen.
Nordwestlich außerhalb des Martinstors dehnt sich der nach italieni- schein Vorbild angelegte Alte Friedhof aus, heute Stadtpark. Dort ist das wohl schönste und wichtigste Kulturdenkmal Wangens zu fin¬den, die Rochuskapelle (1593) mit einer originellen bemalten Holz- decke (»Bilderbibel«) von 1598. Sehr schön sind auch die kostbaren Rosenkranzmedaillons aus dem Hochaltar von St. Martin (1622), Werke aus der Werkstatt des Waldseer Bildhauers Hans Zürn. Zu¬gänglich Juli-Okt. Sa. 10.00- 12.00 Uhr und bei Stadtführungen.
Ein liebenswertes Wahrzeichen Wangens sind seine vielen Brunnen: die alten Steinbrunnen in der Oberstadt (wie St.-Martins-Brunnen auf dem Marktplatz oder Mariensäule in der Herrenstraße), die guss¬eisernen Brunnen des 19. Jh.s und die skurril-witzigen Figurenbrun¬nen der 1980er-Jahre. Außer den heimtückischen »Verdruckten All¬gäuern« (►unten) ist besonders der Antonius-Brunnen auf dem Sau¬markt bei Alt und Jung beliebt, der dem »Sau-Done« gewidmet ist, dem hl. Antonius Eremita (zu unterscheiden vom bekannteren hl. Antonius von Padua, der Verlorenes zurückbringen soll). Weitere Er¬läuterungen gibt’s jeweils an Ort und Stelle.

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Vom Marktplatz geht man durch das »Ratloch« im Pfaffenturm – zwischen Rat- und Mesnerhaus eingezwängt – hinunter in die Unter¬stadt. Vor dem Mesnerhaus sollte man sich vor den »Verdruckten Allgäuern« in Acht nehmen; der mit der Larve spuckt unvorherseh¬bar Wasser … Den malerischen Postplatz beherrscht das stattliche Kornhaus (1603). Vor dem Eingang der Stadtbücherei sinniert der »Wahrheitssucher« über der rätselhaften magischen Formel »SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS«.
Zwischen Spital- und Bindstraße liegt der Komplex des Spitals, das 1440 neu erbaut wurde und nach gelungener Restaurierung wieder als Altenheim dient. Die zugehörige kleine barocke Kirche (1721) be¬sitzt prachtvolle Altäre. Im Hauptaltar eine Mondsichelmadonna, die Hans Zürn d. J. schnitzte (1622); der Kerker-Christi-Altar an der Ostwand, von dem Wurzacher J. J. Ruez (1760), enthält einen Gefan¬genen Christus von 1543.
In der Eselmühle von 1568, die bis 1937 in Betrieb war, sind einige interessante Museen ansässig. Das Heimat- und Käsereimuseum gibt einen Überblick über die Stadtgeschichte inkl. Leinwandherstellung, Milchwirtschaft und Käseherstellung; im 3. Obergeschoss sind Dreh-orgeln, Spieldosen und andere mechanische Musikinstrumente aus dem 19. und 20. Jh. zu sehen (Vorführungen April-Okt. Mi. und Sa. 15.00 Uhr). Über den Wehrgang gelangt man zum Deutschen Ei¬chendorff-Museum mit Briefen und anderen Manuskripten des be¬rühmten romantischen Dichters Joseph Freiherr von Eichendorff (1788- 1857) und zum Gustav-Freytag-Museum mit Erinnerungen an den Schriftsteller Gustav Freytag (1816-1895). Im nächsten Ge-bäude ist eine Museumsdruckerei mit alten Druckmaschinen einge¬richtet (Vorführungen April-Okt. Di. 14.00-17.00 Uhr). Am Ende des Komplexes liegt die Badstube von 1589, eine besondere Kostbar¬keit, die an mittelalterliche Badefreuden erinnert. Im Obergeschoss finden Wechselausstellungen der Städtischen Galerie statt. Geöffnet sind die Museen April-Okt. Di.-Fr. 14.00- 17.00, Sa. 11.00- 17.00, So. 14.00-17.00 Uhr; Nov.-März finden Di. 15.30 Uhr Führungen durch das Heimatmuseum und die Badstube statt.

WANGEN ERLEBEN
AUSKUNFT
Gästeamt Marktplatz 1
88239 Wangen im Allgäu Tel. (0 75 22) 74-2 11
FESTE UND EVENTS
Mi.vormittag großer Wochenmarkt. Am Fasnachtsmontag buntes Narren¬treiben. Mitte Juli (vor den Ferien (halong bucht tour)) wird das Kinder- und Altstadtfest mit Umzug und Feuerwerk gefeiert.
ESSEN
► Erschwinglich / Fein
® Gasthof Adler
Deuchelried, Obere Dorfstr. 4 Tel. (0 75 22) 70 74 77 Mo.abend und Di. geschl.
Modernisierter alter Gasthof in einem typischen Allgäuer Schindelhaus. Erstklassige ländlich-feine Küche, bestens sortierter Weinkeller.
► Preiswert / Erschwinglich
® Zum Kornhausmeister
Wangen, ßindstr. 29 Tel. (0 75 22) 23 83, So./Mo. geschl. Schöne historische Weinstube mit Gewölbekeller. Zur großen Wein¬auswahl gibt’s kleine Schmankerl.
® Gasthof Sattel
Wangen, Sattel 2 Tel. (0 75 22) 70 70 70
Im einstigen Leprosenhaus am Wan- gener Stadtrand – mit seiner Kapelle ein hübsches Ensemble rechts abseits der B 18 nach Lindau – isst man gut, von handfest allgäuerisch bis leicht gehoben. Mo. geschlossen.
ÜBERNACHTEN
Komfortabel
® Alte Post
Wangen, Postplatz 2 Tel. (0 75 22) 97 56-0 Familiäres Romantikhotel, zentral und doch ruhig gelegen. Liebevoll eingerichtete Zimmer mit modernem Komfort.
© Krone Waldburg
Hauptstr. 21, 88289 Waldburg Tel. (0 75 29) 9 98-0 www.kronewaldburg.de Traditionsreicher Landgasthof in stattlichem Barockbau am Fuß der Waldburg, mit komfortablen Zim¬mern im modernen Gästehaus. Das Restaurant mit eigener Bäckerei bietet gutbürgerlich-schwäbische Gerichte.
Günstig
@ Blaue Traube
Wangen, Zunfthausgasse 10 Tel. (0 75 22) 66 27 Gepflegtes Gasthaus mit ruhigen, gut ausgestatteten Zimmer und Fahr¬radgarage. Im Restaurant gibt’s Schwäbisches auf der Basis regionaler Produkte (Mo./Di. geschlossen).
® Hotel Mohren-Post
Wangen, Herrenstraße 27 Tel. (0 75 22) 2 10 76 Ein stattliches Haus aus dem 15. Jh., seit 150 Jahren in Familienbesitz und nicht modernisiert – also ältlicher Charme haufenweise. Das Restaurant hat mittags und Fr./Sa. geschlossen.
Baedeker TIPP
Allgäuer Seele
Zu den besten Allgäuer Genüssen gehören die »Seelen«. Was das ist, können Sie in jeder Bäckerei herausfinden – z. B. beim Wangener Fidelisbäck, den es schon seit 1505 gibt. Er ist auch für seinen immer ofenfrischen Leberkäse berühmt, den man sich in der gemütlichen Vesperwirtschaft in der Paradiesstr. 3 schmecken lässt (Sonntag geschlossen).
Umgebung von Wangen
Deuchelried Das eingemeindete Dorf Deuchelried nordöstlich der Stadt besitzt nicht nur eine renommierte Ess-Adresse (►S. 308), sondern auch eine der schönsten Skulpturen des süddeutschen Barocks: die fast lebensgroßeMondsichelmadonna (um 1720) in der Kirche St. Peter. Als Urheber werden der Bregenzer Franz Anton Kuen oder der Nie¬derländer Ägidius Verhelst genannt, der u. a. in Stöttwang und der Wieskirche Großartiges hinterließ. Auch die Pietä am rechten Seiten¬altar, Hans Zürn d. J. zugeschrieben (um 1525), ist hervorragend.
Für die Erkundung der Umgebung per pedes macht das Wangener Gästeamt eine Reihe von Vorschlägen (mit Wanderkarte). Hier zwei »Klassiker«. Eine Rundwanderung durch das Hügelland nordöstlich von Wangen und das Tal der Unteren Argen (ca. 18 km, 5 Std.): Von Wangen auf dem Hauptwanderweg 9 über Deuchelried (►oben) und Zurwies – hier Abstecher zur Biokäserei (geöffnet Mo-Sa. 10.00 bis 12.00, 16.00-18.00 Uhr; Di. und Sa. nachmittags geschl.) – und vor¬bei am Oberen Schlossweiher nach Ratzenried. Rückweg: Nordwest¬lich nach Dürren, dann am Südufer der Unteren Argen nach Beutels¬au und mit einem Schlenker um den Hammerweiher durch Burgelitz nach Wangen. Wildromantische Flusslandschaft und schöne Aussich- ten bietet die Rundwanderung in südwestlicher Richtung (12 km, ca.
3 Std.), ausgehend vom Wanderparkplatz Neuravensburg-Grub an der B 18, 8 km südwestlich von Wangen: Unter der Autobahn hin¬durch und über die Obere Argen, dann nördlich zum Zusammen¬fluss von Oberer und Unterer Argen; weiter südwestlich der Argen folgend, diese auf der 2. Brücke queren und nun teils auf der Höhe, teils unten am Fluss nach Flunau. Den Rückweg nimmt man über Schloss Achberg (►S. 222), Regnitz und Strohdorf.
Zum guten Schluss ein echter Höhepunkt, auch wenn er nicht mehr dem Allgäu zugerechnet werden kann (die Ravensburger sagen aller- dings, sie »gehen ins Allgäu«): die ca. 14 km nordwestlich von Wan¬gen gelegene Waldburg. Einmal bietet sie »durch die ungewöhnlich gute Erhaltung ein hochinteressantes historisches Charakterbild«
(Dehio), zum andern ist ihre Position – im Land  (vietnam kambodscha rundreise) der Drumlins, mit Blick von den Allgäuer Alpen über Oberschwaben und den Bodensee auf die Appenzeller Berge – ganz zauberhaft. Ursprünglich im 11./12.
Jh. als Stammsitz der Truchsessen von Waldburg errichtet, geht der größte Teil der prachtvoll ausgestatteten Gebäude ins 16. Jh. zurück.
Das Museum illustriert die Geschichte der Burg und des Hauses Waldburg, besonders schön sind der Rittersaal und die 1728 von Jo¬hann Georg Fischer umgestaltete Kapelle. Zugänglich ist die Burg April -Okt. Di.-So. 10.00-17.00 Uhr, in Vollmondnächten (ganz romantisch!) zusätzlich 20.00-23.00 Uhr. Wer Sinn für mittelalter¬liche Kurzweil hat, kann hier im Frühjahr und Herbst am »Spektakulum« (www.freunde-der-waldburg.de) oder an Rittergelagen teilneh- men (www.ritteressen-waldburg.de).

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